Abgründiges im Gasteinertal

Im Gasteinertal geht es auffallend mörderisch zu. Zumindest in den Krimis von Georg Gracher.
Ein Artikel von Maria Riedler

In der Gadaunerer Schlucht, einem Naturschutzgebiet im Gasteinertal, kommt ein Mann beim Perchtensprung zu Tode. Ein Unfall, heißt es erst. Der Hotelier Alarich Rexeisen stürzt aus zweitausend Metern Höhe aus dem Korb eines Heißluftballons ab und liegt tot auf einem Parkplatz in Bad Hofgastein. Seine Mitfahrer schwören Stein und Bein, während der Fahrt bewusstlos gewesen zu sein…

Grausame Schauplätze

Autor Georg Gracher lässt in seinen Krimis im Gasteinertal wilde Sachen passieren. „Gastein und auch alle anderen Pongauer Schauplätze liegen einfach nahe. Auch bei uns geht es nicht immer so friedlich zu, wie es manchmal den Anschein hat“, so der frühere Deutsch- und Geschichtelehrer aus Bad Hofgastein. Als gebürtiger Gasteiner kennt er sich dort aus und kann an lokalen Schauplätzen Grausames passieren lassen. „Meine Leserinnen und Leser mögen das, wenn sie ihnen bekannte Plätze wiedererkennen. Viele Örtlichkeiten, wie etwa die Eisriesenwelt in meinem Krimi `Eisriesengrab´, kenne ich halt gut – noch von Schulausflügen in meiner Zeit als Lehrer. Teilweise habe ich natürlich manche Plätze noch extra aufgesucht.“

Der Krimiautor Georg Gracher sei ein Insider-Geheimtipp, meinte die Krimiexpertin der Rupertus Buchhandlung in Salzburg. Eigentlich schreibt Gracher jedoch schon seit längerer Zeit. Denn schon als Gymnasiast hat er begonnen, Wildwest-Romane zu schreiben. Dazu entstanden ein paar Abenteuer-Romane und ein „historischer Schinken“, an dessen Fertigstellung er derzeit arbeitet. Mit den Krimis ging es aber erst 2002 los. Und seit 2009 wurde jedes Jahr ein Buch von ihm veröffentlicht.

Seelisch angeschlagen

Eine Teilnehmerin an einer spirituellen Einkehrwoche verschwindet während einer Wanderung im Pinzgau spurlos. Kurz darauf wird sie ermordet aufgefunden. Als in der nächsten Nacht ein Mann ums Leben kommt, obwohl er sich in seinem Zimmer regelrecht verbarrikadiert hatte, wird klar, dass hier keine x-beliebigen Gewaltverbrechen vorliegen. Im gerade neu erschienenen Roman `Kiebitzjagd´, da „geht es um seelisch angeschlagene Menschen, die sich im Haus für Exerzitien treffen“, erzählt Gracher. Auch das gibt es in Wirklichkeit, doch „dieses und der im Roman verdächtige Pater sind in Wirklichkeit natürlich ganz andere Personen. Der wirkliche Pater ist tatsächlich ein sehr gemütlicher und netter Mensch und hat mir erlaubt, darüber zu schreiben.“ Die Ideen für seine Romane, die scheinen Gracher nicht auszugehen. Er holt sich diese aus dem Alltag, aus Gesprächen aus seiner Umgebung und aus den Medienberichten. Ob Schlepperunwesen, ein tatsächliches Gewaltverbrechen in St. Johann oder der Bautreuhandskandal – vieles erkennt der Leser wieder. „Ich nehme für meine Romane aber extra Menschen, die niemand in meiner direkten Umgebung wiedererkennt. Meine Krimis sind natürlich Märchen. Es wäre ein Irrglaube, wenn man denkt, dass bei uns im Gebirge ständig Morde passieren“, lacht er. Trotzdem bekommt man beim Lesen das Gefühl, dass Gracher häufig mit Augenzwinkern erzählt. „Vieles lässt sich gut in Romanen darstellen“, schmunzelt er. Nachdenken sei bei seinen spannenden Handlungen natürlich erwünscht und wichtig.

Der 67-jährige Georg Gracher war Lehrer an der Hauptschule in Bad Hofgastein. Der sympathische, bescheidene und humorvolle Pensionist lässt in seinen Alpen-Krimis Major Oskar Jacobi und sein Team viel im Gasteinertal, aber auch im restlichen Salzburger Land ermitteln.

Herr Gracher, kennt man Sie im Gasteinertal als früheren Lehrer oder als Krimiautor?

Wahrscheinlich kennen mich die meisten noch als Lehrer, obwohl mich auch viele immer wieder auf meine Krimis ansprechen.

Wie viel hat die Hauptfigur des Ermittlers, Kommissar Jacobi, von Ihnen selbst?

Eigentlich nichts, außer vielleicht seine Vorliebe für bestimmte Nahrungsmittel – er isst gerne ungesund. Dass er nicht besonders sportlich ist und nicht schwindelfrei, das ist vielleicht auch von mir. Obwohl, jetzt, wo Sie das fragen – er hat schon einiges von mir. Aber vom Charakter her gar nichts. Er ist sehr mutig, was ich nicht bin. Hat viel Zivilcourage, setzt sich auch gegenüber Vorgesetzten durch. Und hat eine wesentlich jüngere Lebensgefährtin als ich (lacht). Sind alles sehr fiktive Eigenschaften, ja schon.

Foto: VRD – fotolia.com

Waren Sie eigentlich ein strenger Lehrer?

Ich war sicher am Anfang ein strenger Lehrer, das hat aber mit zunehmendem Alter nachgelassen. Wenn man am Anfang für die Kinder und Jugendlichen Regeln ausgibt, dann läuft später alles viel leichter. Ich denke, dass mich die Kinder mochten.

Foto: VRD – fotolia.com

Wie viele Romane haben Sie publiziert und warum haben Sie eigentlich erst so spät einen Verlag dafür gesucht?

Seit 2009 sind acht Romane erschienen. 2002 und 2003 meine Anfängerwerke. Wahrscheinlich hätte ich mutiger sein und schon früher einen Verlag kontaktieren sollen. Ich schreibe sehr gerne, habe aber wenig Ehrgeiz. Zumindest jetzt nicht mehr. Die Ideen dafür fliegen mir jedenfalls dauernd zu und gehen nicht aus. Es gibt noch genug Konzepte und Schauplätze. Ich mag die Öffentlichkeit nicht besonders gerne, habe schon früher, als ich für meine Schüler Theaterstücke geschrieben habe, die öffentlichen Auftritte gemieden. Meine Frau schimpft mich eh; aber ist halt so. (lacht)

Hat das Schreiben Ihr Leben verändert?

Nein. Das ist ein Hobby, das keine großen finanziellen oder andere Änderungen in meinem Leben hervorgerufen hat.

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