HeidiMimra

Begeisterung für Vielfalt

Sie ist aufmüpfig, kritisch und hartnäckig: Heidi Mimra, Obfrau des Vereins KulturGut in Bad Hofgastein. Gemeinsam mit ihren anderen ehrenamtlichen Mitstreitern stellte sie mit wenig finanzieller Unterstützung, dafür aber mit großer Begeisterung und Engagement, die zweiten Gasteiner Talgespräche auf die Beine.

Im Gasteinertal leben mittlerweile Menschen aus unglaublichen 55 verschiedenen Nationen“, betont Heidi Mimra, „und deshalb müssen wir uns logischerweise fragen, wer ist eigentlich kein Zuagroaster?“

Heidi Mimra ist ebenso eine Zuagroaste. Sie stammt ursprünglich aus Linz, war Lehrerin, Kulturmanagerin und lebte 30 Jahre in Nigeria. Dort unterrichtete sie in einer Schule in Lagos und im Goethe Institut. Vor 15 Jahren entdeckte sie während eines Urlaubes das Gasteinertal und wurde hier sesshaft. „Ich wollte mich im Ort einbringen.“

So gründete sie gemeinsam mit anderen sieben engagierten Frauen und einem Mann vor über sechs Jahren den Verein KulturGut. „Weil Kultur am Land einfach mehr sein soll. Kunst – vor allem am Land – braucht hartnäckige Idealisten, um etwas zu bewegen.“

Gut erinnert sie sich auch an das erste Projekt, nämlich ein Winter Open-Air-Kino in Bad Hofgastein. Hierzu gab es noch Widerstand, aber Widerstand, das mache ihr so gar nichts aus, daran wachse sie eher – auch an weiteren Ideen, lacht Heidi Mimra.

Nun fühle sie sich voll daheim im Gasteinertal, erzählt sie. Man müsse sich natürlich auch selbst aktiv einbringen. Nach einigem Widerstand spüre sie jetzt endlich auch Kooperationswillen. Doch KulturGut werde immer gesellschaftspolitisch kritisch bleiben.

Heuer erfolgte eben diese kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Ausländerpolitik. Zwingend notwendig, da es ja fast keine „richtigen“ Urgasteiner gäbe. Das Gasteinertal war immer schon ein Durchgangstal, wo sich Migranten niedergelassen hätten, schildert Heidi Mimra. Vor allem zur Zeit des Bahnbaus, wo viele Menschen aus Italien gekommen und geblieben seien.

Deshalb ging es bei den Talgesprächen auch vor allem um persönliche Lebensgeschichten. Neben einem historischen Blick in die Migrationsgeschichte des Gasteinertals waren Zuagroaste im Veranstaltungs-Programm integriert und auch selbst aktiv dabei: Wie eine Georgierin, die eigentlich Dolmetscherin ist und hier im Gasteinertal in einer Therme als Putzfrau arbeitet. Sie trug ein Gedicht in ihrer Muttersprache vor, damit endlich möglichst viele hören, wie ihre Sprache eigentlich klingt. Oder das ungarische Paar, das auf eigene Kosten ungarische Tanzpaare zum Fest ins Gasteinertal brachte. „Wir mögen Ausländer als Urlauber, als Arbeiter, doch sie sollen sich dezent verhalten.“

KulturGut und dem Bildungswerk gehe es darum, etwas weiter zu bringen, den Menschen sensible Themen offen aufzuzeigen und Ideen gemeinsam durchzudenken, sagt Mimra und ergänzt: „Kultur kommt teuer. Keine Kultur zu haben, kommt noch teurer.“

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