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Der Berg

Sie haben nicht nur jenseits des Pass Luegs Kultstatus erreicht. „Der Berg“ feiert heuer 15 Jahre neue alpine Musik aus dem Pongau.

Angefangen hat alles mit einem Blick zum Berg, zum Lackenkogel“, so Maximilian Steiner. „Vieles in unserer Zeit und in unserer Gegend verändert sich schnell. Doch der Berg steht zeitlos und kraftvoll da.“ So auch „Der Berg“, die Gruppe um den Altenmarkter Leader Steiner und ihre Musik: erfrischend, kraftvoll, intelligent, weltoffen, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen.

Mit Witz, Ernst und tiefgründigem Hintergrund gehen sie zur Sache und so entstanden in den letzten 15 Jahren die bekannten Werke, wie „da Schroa“, „da Tonz“ und „gXsong“, Innergebirgsopern oder sogar Mobilboxjodler.

Tradition und Jazz

Kraftvolle Lieder, die Raum für die Stille des Berges lassen und Platz für verschiedenste Elemente aus Tradition und Jazz offenlassen: „Unser musikalisches Element ist die Stille des Berges und wir krabbeln herum und jodeln“, schmunzelt Max Steiner. Mit perfekter Technik im Spiel, viel Einfühlungsvermögen und einem Schuss Humor überrascht das Ensemble bei jedem Konzert.

Albert Precht, die heuer verstorbene Kletterlegende aus dem Pongau, hat übrigens „dem Berg“ und Max Steiner eine Kletterroute im Tennengebirge gewidmet. „Der Schroa“, die Innergebirgsoper von „Der Berg“ oder auch die Kletterroute: Max Steiner ist dankbar für die vergangene Freundschaft mit Albert Precht. Er kletterte mit Precht die Route auch selbst: „Die Zärtlichkeit und Stille am Berg gibt dem entgegenkommenden Menschen Ruhe und Sicherheit. Beim Klettern ist es ja auch so, dass alles fließend und leicht ist. Es gehört eine Konzentration und Genauigkeit immer dazu. Das vereint sich bei unserer Musik. Freiheit hat mit Natur zu tun“, so Max, der Bergsteiger, Musiker und universale Künstler aus Innergebirg. Der musikalische Berg vereint sich praktisch mit dem Kletterberg. „Etwas geht durch uns durch und wird zu Klang.“

Tolle Vielseitigkeit

Ihre Jodler klingen wie fetziger Jazz und klassische Klangfarben entführen in stille und ruhige Momente. Mit sanften Tönen und schrägen jazzigen Einlagen, dann wieder mit mitreißenden Grooves, bringen sie ihre Fans in den Konzerten zum Schwingen. Darauf folgen dann oft kantige, schroffe und im nächsten Augenblick idyllisch, verträumte Klänge – „die Berg“-Musiker umgarnen ihr Publikum und geben gleichzeitig Gänsehaut-Feeling. So spannend und abwechslungsreich wie die Landschaft Innergebirg selbst ist, ist auch die Musik von „der Berg„.

„Unser Zusammenkommen ist zumeist ein Fest“, lacht Max Steiner. Wie der Name, so auch die Band: herausragend. Wenn es aber leise und lyrisch wird, wächst die Musik zu einem wahren Gebirge. Neben den stillen Bergtiefen kann die Band aber auch kraftvoll sein.

Max Steiner, der „Seismograf am Rande“ – wie er sich selbst bezeichnet, singt und spielt dabei auf einer Holzziehharmonika und moderiert auf seine tiefsinnige-witzige Weise. Die Cellistin Elisabeth Haas bringt mit ihrem Gesang alles zum Schweben. Saxophonist Kurt Gersdorf zeigt in Improvisationen, was in alpinem Material alles so steckt. Gernot Haslauer wirkt mit Kontrabass und Flügelhorn, sowohl solistisch als auch groovig begleitend. Und Bernhard Wimmer schlagwerkt einfühlsam und geht, wenn´s nötig ist, auch mit gehörigem Nachdruck ans Werk.

Geschrei Jodler

„Ursprünglich waren wir mit Märchentheater in Volksschulen unterwegs“, erzählt Elisabeth Haas. „Später entstanden auch Märchenstunden für Erwachsene, mit Liedern und Saxophonbegleitung vom bekannten Salzburger Künstler Kurt Gersdorfer. Dann folgte ein Pionierskonzert 1999, wo wir das erste Mal zu fünft gespielt haben. „Was mir an „Der Berg“ am meisten gefällt, ist dass unsere Musik so positiv ist. Ich mag Kunst, die positiv ist. Musik, die man fühlen kann und die einem Raum und Kraft gibt“, betont sie. Haas studierte am Mozarteum, in Berlin und in Wien Cello und Jazzgesang. Ihre Großmutter stammt aus Pongau und so ist sie in den Pongau gekommen. Bei einer Vernissage in Radstadt lernte sie Max kennen. Gemeinsam mit Max, der früher Hauptschullehrer war, ist sie „das Duo Bergspitze“, so hat sie jedenfalls einmal der Kabarettist Josef Hader bezeichnet.

„Max kämpft aber oft darum, dass auch das Laute durchkommt und seinen Platz hat. Jodler entstanden ja auch so, dass man seine Befindlichkeiten in die Landschaft raus ließ. Der Jodler ist das schönste Geschrei der Welt. So kann man Hindernisse niederreißen oder Schmerz und Freude ausdrücken.“

Stolz ist sie auf die genialen Texte und Kompositionen von Max: „Sie sind schön zweideutig und kommen direkt aus dem Leben.“ Überhaupt sind sich die beiden stark eins: „Wir bestärken uns gegenseitig durchzuhalten und unsere Ansprüche hochzuhalten. In der Kunst ist man auch oft verletzlich und verwundbar. Wir lassen uns mit unserer Musik auf unser Umfeld ein und sind oft überrascht über das positive Feedback unserer Fans. Damit öffnen wir oft Dinge, was andere auch spüren.“

Stiller Berg

„Innergebirg ist eine Seele und Innergebirg ist eine Region. Ich bin ein regionaler Künstler und will beispielsweise nicht in Deutschland spielen. Ich brauche den Dialog mit den Menschen aus unserer Region“, sagt Max und zeigt auf den Lackenkogel. „Der Berg ist unerschütterlich. Das kann man auch auf unsere Formation übertragen. Da steht er.“

Der Berg ist nicht laut. „Der stille Berg ist der unsere. Das ist auch wichtig in unserer Zeit, die oft so laut ist und vom Leistungsdenken durchdrungen. Leider muss man bei uns immer weiter hinaufgehen, um diese ruhigen Plätze zu finden.“

Maria Riedler

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