Die Frau an der Seite der Syrer

syr

Die Frau an der Seite der Syrer

Großes ehrenamtliches Engagement und gute strukturelle Voraussetzungen: Das schafft die Flüchtlingsinitiative Nord im Pongau. Zum Gelingen der Integration der Asylwerber trägt – neben unzähligen Helferinnen und Helfern in den Gemeinden – auch Joud Waldmann bei.

Ich besuche die 18-30 syrischen Flüchtlinge täglich in ihren Unterkünften. Neben vielen alltäglichen Dingen und Problemen gehört es zu meinen Aufgaben, dass ich ihnen bei behördlichen Angelegenheiten helfe oder auch Arzttermine für sie organisiere“, schildert sie. Joud Waldmann wurde für die Flüchtlingsinitiative Nord angestellt und betreut jene Syrer, die in Bischofshofen, Pfarrwerfen, Werfen und Werfenweng eine Flüchtlingsunterkunft gefunden haben. Die Tochter von gebürtigen syrischen Diplomaten wurde in Grenoble, in Frankreich, geboren. Seit 1978 lebt Waldmann bereits in Österreich und hier ging sie auch zur Schule und studierte Management. Sie ist mit einem Pongauer verheiratet und hat eine neunjährige Tochter. Vor über einem Jahr trat der Bürgermeister von Bischofshofen, Hansjörg Obinger, an sie heran und fragte sie, ob sie für die Pongauer Flüchtlingsinitiative Nord arbeiten wolle.

Da gab es für Joud Waldmann kein Zögern, erzählt sie lachend, „denn das ist eine Arbeit, mit der ich mich zu 100 Prozent identifizieren kann. Das bedeutet ein Stück Heimat für mich und im Sozialbereich wollte ich ohnehin immer schon arbeiten.“

Joud Waldmann spricht fließend Arabisch, Französisch, Italienisch, Englisch und natürlich Deutsch. Nicht immer ist die Arbeit mit „ihren“ Syrern einfach, „denn das größte Problem für die Männer ist die Zeit. Sie verlieren so viel Zeit mit Nichtstun, da sie ja nicht arbeiten dürfen. Natürlich nützen viele die Wartezeit mit intensivem Deutsch lernen, weil die Sprache ja der Schlüssel zur Integration ist. Wir haben in allen Flüchtlingsunterkünften einen eigenen ehrenamtlichen Deutschlehrer. Manche kommen hier jedoch besser voran und bei anderen geht es leider schwerer. Ich suche immer nach ehrenamtlichen Betreuern oder Lehrern.“  Bei dieser Arbeit, die oft viel mehr als die normale Arbeitszeit ausfüllt, sei sie nie auf Fremdenfeindlichkeit in der Pongauer Bevölkerung gestoßen. „Die Syrer sind auch sehr zugängliche Menschen, die quer aus allen Bildungsschichten kommen. Unter ihnen sind Handwerker, aber auch Akademiker.“

Was meint Joud Waldmann zum Frauenbild im Islam? „Der Islam kommt leider über die Medien immer sehr schlecht rüber; auch das Frauenbild“, sagt sie. „Das hat sich ja teilweise komplett geändert. In Syrien hat die Frau eine große Rolle in der Familie. Auch wenn sie – vor allem in ländlichen Regionen – vielleicht nicht arbeiten geht, so ist ihr Wort genauso wichtig wie das des Mannes, ob das die Kindererziehung oder sonstige Entscheidungen betrifft.“

Die Arbeit mit „ihren“ Syrern bedeutet Joud Waldmann sehr viel: „Ich erlebe mit ihnen täglich schöne Dinge; sie sind so hilfsbereit und mittlerweile auch für mich zu Freunden geworden.“

Maria Riedler

Alle Beiträge aus Aktuelles


Facebook Icon