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Falknerin aus Leidenschaft

Es ist wohl eine einzigartige Mensch-Tier-Beziehung, die Falkner mit ihren Greifvögeln haben. Die PONGAUERIN besuchte den Landesfalkenhof auf der Burg Hohenwerfen.
Ein Artikel von Maria Riedler

Oben, auf der Burg Hohenwerfen angekommen, höre ich bereits die Rufe eines Greifvogels in meiner Nähe und entdecke kurz darauf einen Lannerfalken, der ganz in meiner Nähe sitzt. Er beobachtet mich still aus dunklen Augen und putzt gelassen sein Federkleid. Die Falknerin Rebekka Bloßfeld kommt mit Dasha, ihrer Hündin und begrüßt mich, sie ist gerade dabei, die Tiere aus den Volieren zu holen und bei ihnen sauber zu machen. Ich staune, wie sehr die Greifvögel an die dreijährige, große Münsterländer Hündin gewohnt sind. Auch umgekehrt, wie gelassen Dasha den Vögeln gegenüber ist. Rebekka erklärt mir schmunzelnd: „Dasha ist mit ihnen aufgewachsen.“

Sie wiegt die Vögel in der Falknerei und Dasha läuft um sie herum, während vier weitere Greifvögel ruhig daneben sitzen und uns – fast gelangweilt – beobachten: „Wiegen ist wichtig, so kann man sehen, wie ihr Gesundheitsstatus ist. Wir behandeln sie wie Hochleistungssportler.“ Seit den frühen Morgenstunden sind die beiden Falkner – neben Rebekka noch der junge Falkner Kiani Loyson – beim Versorgen der Tiere, denn Sauberkeit ist ein wichtiges Gebot.

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Wiegen eines Falken von Rebekka und Kiani.

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Tägliches Putzen und Sauberkeit ist oberstes Gebot in der Falknerei.

Harmonie im Zusammenspiel

Seit vier Jahren ist Rebekka Berufsfalknerin auf der Burg Hohenwerfen und die gebürtige Deutsche, die aus dem Siebengebirge stammt, lebt und liebt den Beruf der Falknerin.

24 Vögel wie Kaiseradler, Riesenadler, Steinadler, Falken oder Bussarde befinden sich in ihrer Obhut. Ob es faszinierende Flugvorführungen, die Aufzucht von Greifvögel und deren Artenschutz oder einfach die Beizjagd ist – die Akrobaten der Lüfte und der Beruf des Falkners – das ist im idealen Fall ein perfektes und harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Tier.

„Der Beruf des Falkners ist kein Lehrberuf“, erzählt die 26-jährige Falknerin mit dem breitkrempigen Hut, grünem Hemd und einem braunen, ledernen Kurzmantel.

Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. „Mit 12 Jahren habe ich – mit Hilfe eines Jägers und Tierarztes – einen verletzten Mäusebussard aufgezogen.“ Rebekka ist auf einem Bauernhof am Land groß geworden und hatte zu Tieren immer schon einen engen Kontakt. „Seit damals wollte ich Falknerin werden. Eine Ausbildung zur Tierarzthelferin habe ich nur auf Drängen meiner Mutter gemacht“, schmunzelt sie.

Falkner sein bedeutet nämlich ein intensives Leben mit den Greifvögeln, fernab von geregelten Arbeitszeiten. Die fachlichen Voraussetzungen sind vielfältig, wesentlich ist aber die Jagd- und Falknerprüfung. Der Umgang mit den Greifvögeln erfordere größtes Geschick, Einfühlungsvermögen und fachliches Wissen, eine Grundvoraussetzung für diesen Beruf, so Bloßfeld. Die Vögel sind auf Betreuungspersonen fixiert und es kann oft lange dauern, bis ein Greifvogel fremde Menschen akzeptiert.

FalknerinWeltkulturerbe Falknerei

„Die Falknerei ist eine der ältesten Jagdarten, sie reicht bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. zurück. Ihre Wurzeln liegen in den Reiterkulturen der asiatischen Steppenvölker. In Europa reifte die Falknerei im Mittelalter unter dem Staufenkaiser Friedrich II. zur Höchstblüte. Friedrich II. war selbst nicht nur begeisterter Anhänger der Beizjagd und Erforscher der Greifvögel, sondern schuf mit seinem Buch ‚Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen‘ ein bis heute viel gelesenes Standardwerk. Hier auf der Burg gab es erzbischöfliche Berufsfalkner, deren Kostüme wir heute noch tragen.“

Greifvögel haben die Menschen schon von jeher fasziniert. In der Vergangenheit wurden hier aus Unwissenheit jedoch manche Arten durch Abschuss fast ausgerottet. Doch mittlerweile haben sich durch viele Initiativen die Bestände in freier Wildbahn etwas erholt. So war ein großer Meilenstein für die Erhaltung der sozialen Kulturtradition der Falknerei die Ernennung zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO im Jahr 2010. Die Falkner haben nun den Auftrag, dieses Erbe verantwortungsvoll zu pflegen und die Falknerei unter Berücksichtigung des Tierschutzgesetzes auszuüben.

falken2Kraft und Eleganz

„Falknerei ist eine enorme Verantwortung und das Tier kann einen größeren Fehler mit dem Leben bezahlen. Die Arbeit beruht auf einer engen Beziehung zwischen Greifvögel und Falkner“, betont sie, während wir sie
fotografieren. Alleine wie die Vögel auf sie und auf Kiani reagieren, bestätigt ihre Worte. Sie hören auf ihre Stimme und antworten teilweise mit einem Rufen.

Rebekka trägt nun einen jungen Steinadler mit seinen 4.600 g locker am Arm. Er beeindruckt durch seine Kraft, Eleganz und Stärke. Man bekommt hier in der Landesfalknerei den Eindruck, dass jedes Tier enorme Charaktereigenschaften besitzt.

Jungvögel werden von Altvögeln aufgezogen und auf diese Art geprägt. „Wenn sie dann auch Vertrauen zu mir haben, dann können wir miteinander arbeiten, wie bei den Flugvorführungen oder bei der Beizjagd, die einen wichtigen Stellenwert hat.“ Zwei bis dreimal täglich finden auf der Burg Hohenwerfen Flugvorführungen statt.

Rebekka erzählt, dass Falknerei lebenslanges Lernen sei. Ihr gefalle die Selbstsicherheit dieser Tiere. „Du kannst einen Greifvogel als Freund gewinnen und mit ihm gemeinsam vieles erlernen. Auf freundschaftlicher Basis.“ In den letzten 15 Jahren habe sich hier im Verständnis der Menschen viel verändert. „Es sind Wildtiere, die man zu nichts zwingen kann.“ Tierschutz ist modern und hier verspüren die Falkner viel negative Stimmung. „Unsere Tiere sind in sehr guter Verfassung, sicherlich in einer bis zu 90 Prozent besseren Verfassung als Wildvögel.“

Schade findet sie es, wenn die Menschen falsche Bilder bekommen, wie leider auch teilweise in Kinoproduktionen. „Wir bringen uns natürlich auch jagdpolitisch ein und arbeiten tierschutzgerecht“, betont Rebekka Bloßfeld. In Österreich gibt es 14 Falkner-Schauanlagen, wo bei den meisten Flugvorführungen stattfinden. „In der Zucht der Vögel arbeiten wir mit Niederösterreich zusammen, wo das Klima etwas besser ist.“

Gefahren für Greifvögel

Stolz ist sie darauf, dass unlängst ihr junger Steinadler bei Filmarbeiten mit Hermann Maier mitmachte und sich sogar von ihm halten ließ. „Er ist dann eine Runde geflogen und hat bei den Filmaufnahmen toll mitgespielt.“

Natürlich bereiten die Tiere, für die sie fast ihre ganze Freizeit gibt und die alles für sie sind, ihr auch manchmal Sorgen: „Wenn einer von ihnen nach einer Vorführung nicht zurück kommt und die ganze Nacht draußen ist. Die Umgebung hat für die Greifvögel hier einige Gefahrenquellen parat – etwa durch die Autobahn, die Eisenbahn oder die Bundesstraße.“

Wenn ein Vogel nicht zurückkehrt, liege das manchmal an äußeren Faktoren, wie etwa dem Wetter.

Ganz besonders betroffen war sie, als ihr schwarzer Sakerfalke, der ihr ganz besonders ans Herz gewachsen war, bei einer Flugvorführung in ein Drahtseil flog und sich einen Flügel brach. „Wir haben ihn wieder aufgepäppelt, aber leider kann er nicht mehr fliegen, das ist einer meiner harten Rückschläge.“

Öfters rufen Menschen wegen verletzter Vögel an und lassen sie von den Falknern holen. „Einmal ist uns ein Wanderfalke aus München zugeflogen und wir haben seinen Besitzer ausfindig machen können, der sich riesig freute. Er arbeitet bis heute mit dem Tier.“

Sorgen um Greifvögel sollten sich Beobachter erst machen, wenn sich die Tiere über längere Zeit nicht mehr rühren. „Gerne kann man uns anrufen, wenn sich ein Vogel über längere Zeit nicht mehr rührt, komisch bewegt oder
offensichtlich nicht mehr fliegen kann.“ Junge Greifvögel darf man übrigens auch angreifen und auf einen Baum setzen, sie werden nicht – wie dies bei Rehen der Fall ist – vom Muttertier verstoßen.

Falknerin-mit-hundKönige der Lüfte

Während wir unser Gespräch und unseren Rundgang beenden, hat sich der Burggarten mit zahlreichen Besuchern gefüllt. Die Flugvorführung steht am Programm und Rebekka entscheidet, je nach Wetter, welche Vögel heute geflogen werden.

Der Steinadler entfaltet seine gewaltigen Schwingen und segelt wie in Zeitlupe über die Burg hinweg übers Tal. Großartig ebenso, wie der Bussard mit den Winden seine Manöver fliegt und sich in die Tiefe stürzt. Mit dem Federspiel, einer Beute-Attrappe, die der Falkner an einem Seil über seinem Kopf schwingt – wird die Jagdtechnik des Falken demonstriert. Blitzschnell stößt er nach unten, greift die Beute zielsicher in der Luft und landet mit dem Federspiel in den Fängen zu den Füßen des Falkners.

Jeder der Greifvögel beobachtet Rebekka und wenn sie ihren Arm mit dem braunen Lederhandschuh hebt, landen sie punktgenau. Dabei rauscht das riesige Federvieh oft nur wenige Zentimeter über die Köpfe des Publikums, spaziert mitunter unbekümmert quer durch die Zuschauerreihen. Wie Schauspieler auf der Bühne erscheinen sie, und das perfekte Bühnenbild dazu gibt die Burg und die umgebende Bergkulisse ab.

Die Besucher sind begeistert und kommentieren die Vorführung mit „was für prachtvolle Tiere“ oder mit „majestätische Könige der Lüfte“.

Ja, das sind sie, großartige Tiere, aber auch die Falkner tragen einen Teil an dieser harmonischen Beziehung und Atmosphäre bei. Wie hier mit den Tieren gelebt wird und welche Arbeit in der Falknerei steckt, geht über Normales hinaus. Am beeindruckendsten sind die intensive Beziehung und das gelebte Vertrauen zum Menschen. Die Vögel zeigen es Rebekka und Kiani, indem sie immer wieder aus freien Stücken zu ihnen zurückkehren.

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