2014-09-28-16.22.24

Faszination Jagd

Jagd fasziniert und Jagd polarisiert.  Einst galt die Jagd als elitär; mittlerweile  ist sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und bedeutet eine hohe Verantwortung für die heimischen Wildtiere.

In der Luft liegt ein Hauch von Herbst. Im matten Licht der Sonne glitzert der kleine Gebirgsbach. Die späte Sonne malt einen Teppich aus hellen und dunklen Flecken auf den Boden, ein Vogel zwitschert fröhlich und irgendwo huscht ein Eichhörnchen einen Baum hinauf.

Plötzlich ein Knacken im Unterholz: Ein Hirsch mit einem Rudel Hirschkühe, die langsam näher kommen. Als das Rudel auf Schussentfernung heran kommt, erklingt dumpf der Schuss.

Das Jagderlebnis sei ein ganz besonderes, doch „es zählt nicht so sehr der Schuss, sondern selbstverständlich das Ganze rundherum“, schildert Jakob Rohrmoser, Bezirksjägermeister im Pongau. Da geht es vielmehr noch um Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes. Die Jagd als älteste Nutzungsform verfolgt das Prinzip der Nachhaltigkeit und bedingt damit eine hohe Verantwortung für heimische Wildtiere sowie deren Lebensraum. „Bei uns hat jeder sein Gebiet, seine Region, für welches er verantwortlich ist und schaut darauf: wo sind welche Wildtiere, wie geht es ihnen, sind sie auch gesund, usw.“

Wer braucht die Jagd?

Professor Helmut Pechlaner, jahrzehntelanger Direktor des Alpenzoos Innsbruck und Direktor des Tiergarten in Schönbrunn, meinte zu diesem Thema: „Zeitgemäße Jagd ist unverzichtbar. Hierzu gehört im Wesentlichen eine Regulierung des Wildbestandes nach biologischen Grundsätzen. Was das heißt? Leider glaubt heute fast jeder, der Almvieh vom Rotwild unterscheiden kann, Gralshüter der Wildbiologie zu sein. In Mitteleuropa haben wir praktisch jeden Quadratmeter Landschaft unter Kontrolle. Es gibt keinen großen, vom Menschen unbeeinflussten Lebensraum, in dem etwa Rehe, Hirsche, Wildschweine und Gämsen mit den dazugehörigen Beutegreifern wie Wölfen, Luchsen, Bären und anderen in einem natürlichen Gleichgewicht leben! Es ist deshalb notwendig, dass Jäger das fehlende „Raubwild“ ersetzen und bestimmte Wildarten in ihrer Stückzahl begrenzen. Sonst würden vor allem die Pflanzenfresser, das Schalenwild, den eigenen Lebensraum zerstören.“

Die biologisch richtige Jagd auf Wildtiere diene in erster Linie dem Artenschutz. „Artenschutz ist Teil des Umweltschutzes und sollte damit die Basis für unser eigenes Überleben sein. Wenigstens aus Egoismus sollten wir die Umwelt schützen“, sagt Pechlaner.

Artgerecht und nachhaltig

In den Gebirgsrevieren im Pongau ist vor allem das Rotwild heimisch, auch wenn durch Tourismus und sportliche Freizeit-
aktivitäten der Menschen deren ungestörter Lebensraum immer kleiner wird. „Teilweise werden die Überwinterungsgebiete und der Platz für das Wild immer kleiner. Obendrein sollen die Tiere möglichst schadensfrei den Winter überstehen. Dazu gehört eine gute und artgerechte Fütterung und keine Mästerei“, erklärt Josef Erber, Geschäftsführer und Wildökologe der Salzburger Jägerschaft.

Das Interesse an der Jagd wird immer größer, das beobachtet er beispielsweise an der Anzahl der neu ausgebildeten Jägerinnen und Jäger. Derzeit gibt es allein im Pongau 2386 Jäger, darunter 277 Jägerinnen und 2109 Jäger.

Und wie schaut es im Pongau mit Bären oder Wölfen aus? „Wir hören immer wieder von durchziehenden Bären oder Wölfen“, so Erber. „Diese sind willkommen, aber wir betreiben keine aktive Auswilderung. Von eventuellen Schäden sind zumeist die Landwirte betroffen, die beispielsweise Schafe verlieren. Doch so lang keine Rudelbildung entsteht, braucht es noch keine diesbezüglichen Vorkehrungen. In der Jagd ist ohnehin eher der Luchs ein Problem wegen der Reh- und Gämsebeute.

RespekTiere deine Grenzen

„Wir haben – federführend im Pongau – das erfolgreiche Projekt `RespekTiere deine Grenzen´ entwickelt“, erzählt Erber. Diese Aktion will Mountainbiker, Tourengeher, Freerider, Schneeschuhwanderer und alle Bergsportler zum respektvollen Umgang mit Wald und Tieren einbinden. Dabei wird jedoch nicht mit dem drohenden Zeigefinger gewackelt oder Verbote ausgesprochen. Das Aufzeigen der Zusammenhänge reicht meist schon für ein verantwortungsbewusstes Verhalten im alpinen Gelände. Der Pongauer Berufsjäger Hubert Stock ist Projektleiter dieser Initiative, die Bergsportler informieren soll, denn wer informiert ist und versteht, zeigt auch viel mehr Verständnis. Das Verständnis führt oft zu Verzicht – und das ist mehr, als ein jedes Verbot bewirken könnte. Im Fall eines Tourengehers kann das eine alternative Aufstiegsroute sein und eine mit Bedacht gewählte Abfahrt. Deshalb wurden Tafeln in der Nähe von Einständen und Fütterungen angelegt. Dazu gibt es online Karten von besonders sensiblen Gebieten zum Schutz für das Wild. Denn neben der Verletzung junger Bäume, etwa durch Skier, fängt das im Winter von ihren Futterplätzen geflüchtete Wild aus Nahrungsmangel im Schutzwald an, Bäume zu schälen und Triebe zu verbeißen. Diese Bäume verlieren so ihre Schutzfunktion gegen Lawinen. 

Wirtschaftsfaktor Jagd

Früher gab es im Pongau viel mehr Großjagden, wo zumeist reiche Jagdpächter das Sagen hatten. Überhaupt war die Jagd einst elitär, denn die Bauern konnten es sich ja auch nicht leisten, großartig auf die Jagd zu gehen. Sie schossen vielleicht ein Stück und mussten damit zufrieden sein, während die Aristokraten prunkvolle Jagden veranstalteten, bei denen große Gesellschaften mit Tanz und Musik im Vordergrund standen. Aus diesen noblen Festen sind jene Jagdrituale entstanden, die es bis heute gibt, das schreibt der Soziologe Roland Girtler (in „Wilderer – Soziale Rebellen in den Bergen“) über die Geschichte der Jagd und jener der Wilderer. Für die arme Landbevölkerung waren die Wilderer die Helden, weil sie gegen den jeweiligen Landesherren revoltierten. Offiziell durften Bürgerliche und Bauern bis 1848 nicht jagen, erst dann fiel das Jagdprivileg des Adels.  Den Aristokraten ging es um den Spaß – das Wort „Hetz“ kommt ja von der „Hetzjagd“. Die Redewendung „Er ist durch die Lappen gegangen“ kommt wiederum daher, dass bei Treibjagden Stofflappen aufgehängt wurden, in die das Wild hineingetrieben wurde. Manche Tiere blieben nicht drin, sie gingen den Jägern durch die Lappen. Kaiser Franz Ferdinand von Österreich war so ein so genannter „erfolgreicher“ Jäger, er soll die unglaubliche Menge von 250.000 Stück Wild geschossen haben. Die Kaiservilla war voll mit Geweihen, schreibt Girtler.

Mittlerweile besteht die Jagd in unserer Region aus immer mehr Gemeinschaftsjagden bzw. kleineren Eigenjagden. „Nicht vergessen sollte man, dass die Jagd auch ein großer Wirtschaftsfaktor ist“, so Wildökologe Erber. „Die Jagd kostet viel Geld. Hier zahlen Menschen dafür, dass sie sich um unsere Wildbestände kümmern.“

Maria Riedler

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