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Fest im Cockpit

Der rote Helikopter im Schaufenster glänzt in der Vormittagssonne und weist Besuchern unmissverständlich den Weg zur Heli Austria GmbH in St. Johann. Chef des Unternehmens ist Roy Knaus – und das bereits seit seinem 22. Lebensjahr.
Ein Artikel von Natalie Zettl

Sobald sich das Rolltor zum Heliport öffnet, taucht man in eine ganz neue Welt ein: eine Welt, in der man Helikoptern hautnah beim Abheben und Landen zusehen kann; in der am Besucherparkplatz mehrere Elektroautos aufgeladen werden – eines davon das sportliche Fahrzeug des Unternehmenschefs Roy Knaus; aber auch in eine Welt, in der rund um das Gebäude Kinderschaukeln, Rutschbahnen und Spielhütten auf kleine Abenteurer warten und in der Familie ganz offensichtlich eine wichtige Rolle spielt.

knaus_03Leidenschaft fürs Fliegen
Von seinem Büro aus schaut der Chef von Heli Austria direkt in den Hangar, wo mehrere Mechaniker gerade dabei sind, einen Rettungshubschrauber zu warten. „Die anderen drei, die gerade hier stehen, sind Transporthubschrauber“, erklärt Roy Knaus. „Unsere Piloten können immer beides – Rettungsfliegen und Transport.“ Wenn Knaus über sein Unternehmen spricht, ist ihm die Begeisterung deutlich an-zumerken, die auch nach 24 Jahren im Beruf noch nicht nachgelassen hat: Seine braunen Augen beginnen zu funkeln und man kann sich gut vorstellen, wie der heute 42-Jährige immer weiter expandiert und neue Projekte tatkräftig realisiert. Künftig werden Knaus-Helikopter zum Beispiel auch in Island fliegen – eine Heliskiing-Firma hat für die Wintersaison insgesamt drei Helikopter angefordert. „Das ist ein sehr interessantes Projekt“, freut sich Roy Knaus. „Wir waren Bestbieter mit unseren erfahrenen Piloten und den modernsten Helikoptern.“

Tief verwurzelt
Heute ist die Heli Austria GmbH mit insgesamt 120 Mitarbeitern und 80 Notärzten an 10 verschiedenen Stand-orten einer der größten Flugbetriebe im Alpenraum. Roy Knaus wuchs von Kindesbeinen an in die Firma hinein: „Mit sechzehn bin ich für drei Wochen nach Amerika gegangen, um den Privatpilotenschein zu machen“, erzählt Roy Knaus. „Ich habe dann drüben auch gleich meinen Führerschein fürs Auto  gemacht – der galt dann, sobald ich achtzehn wurde, auch in Österreich.“ Er schmunzelt. „Das war nicht schlecht, ich konnte dann immer meine Kumpels mit dem Auto zur Fahrschule bringen.“ Seit 1997 sitzt Knaus auch am Steuer des Unternehmens: Nach dem tragischen Tod seines Vaters musste er mit 21 Jahren die Heli Austria GmbH komplett übernehmen. „Ich war aber zu der Zeit ja schon lange mit dabei gewesen“, zuckt Knaus mit den Schultern und man hat das Gefühl, die Leistung, die wohl für die meisten 21-Jährigen undenkbar wäre, sei für ihn selbstverständlich gewesen. „Ich hatte ja schon neben der Schule immer mitgearbeitet.“

knaus_02Bewegte Firmengeschichte
1998 begann die Phase der Expansion, die bis heute andauert: Neue Heliports kamen dazu, das Unternehmen wuchs. Im Jahr 2000 stieg Roy Knaus in die Flugrettung ein und widmet seither einen Teil seines Firmenbudgets der Rettung von verletzten Personen – vor allem im  Winter ein Engagement, das Piloten, Flugretter und Notärzte gleichermaßen fordert: „Meistens genau dann, wenn eigentlich Zeit fürs Mittagessen wäre.“ Bei all dem Erfolg erlebte Roy Knaus‘ Unternehmen nicht nur gute Zeiten: Mehrere Unfälle, zum Beispiel 2017, als bei einer Flugrettung ein Heli-kopter am Großglockner abstürzte, trüben die Firmengeschichte.

„Natürlich macht einen das nachdenklich, so etwas ist höchst tragisch“, gibt Roy Knaus zu. „Letztendlich hatten wir letztes Jahr Glück im Unglück. Außerdem muss ich sagen, dass wir in all den Jahren wenige Unfälle mit unseren eigenen Piloten hatten – alle drei Unfälle, die in der Flugrettung geschehen sind, sind mit Freelancern passiert. Ich gebe meinen Piloten immer weiter, wie wichtig es ist, Situationen vorsichtig einzuschätzen. Es gibt nirgends auf der Welt eine Tabelle, die berechnet, wie sehr zum Beispiel der Wind stören kann, wenn man hinter einer Felskante schwebt – das muss man als Pilot selbst merken. Man muss auf alles vorbereitet sein, schnell reagieren und danach entscheiden.“

Zukunftsvision
Neue Technologien machen auch vor der Helikopter-Branche nicht halt – daher werde die Arbeit der nächsten Generation vermutlich schon ganz anders aussehen, vermutet Roy Knaus. Ein großes Thema in diesem Zusammenhang sind Drohnen, die bereits jetzt weltweit für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. „Wenn sich die Technologie noch weiter entwickelt, kann man absolut davon ausgehen, dass Flugunternehmen sich mit diesem Thema befassen müssen, um am Puls der Zeit zu bleiben.“

knaus_08Familie mit dabei
Bei aller Energie, die er in die Firma steckt: Roy Knaus ist nicht nur Chef, sondern auch Vater zweier Söhne im Alter von zwei und vier Jahren. Auch Gattin Saskia arbeitet als Prokuristin und Accountable Manager bei Heli Austria mit. Auf die Frage, wie die Familie Privatleben und Arbeit unter einen Hut bringt, antwortet Roy Knaus, dass die Kinder häufig im Heliport mit dabei sind. Der berufliche Alltag ist ganz bewusst darauf ausgerichtet: mit Kinderbetten, die bei Bedarf benutzt werden können, und Ruheräumen, in die sich die Familie zwischendurch zurückziehen kann, um miteinander Zeit zu verbringen. Auch die Spielmöglichkeiten vor dem Haus werden von den Kleinen gerne frequentiert – und natürlich ist es auch spannend, den Helikoptern ganz aus der Nähe zuzusehen. Grinsend erzählt Knaus: „Ich bin selber oft fasziniert, wie selbstverständlich das für meine Söhne ist. Vor Kurzem hat mich mein Großer ganz erstaunt gefragt, ob andere Kinder denn keine Hubschrauber zu Hause haben.“

Fotos: www.kaindl-hoenig.com
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