Fotolia_64582140_Subscription_Monthly_XL

Gatsch-Könige

Hier sind nicht moderne Ableger, Derivate von geländegängigen Autos gemeint, die zwar mit Vierradantrieb ausgerüstet sind, aber letztlich für den Straßenbetrieb konzipiert wurden. Hier sind die echten, harten, bedingungslosen Gatsch-Wühler, die Stock-und-Stein-Überwinder gemeint, also jene Autos, die steilste Hänge hochklettern, die sich durch Wasser nicht aufhalten lassen und auch noch dort fahren, wo man zu Fuß kaum mehr vorwärts kommt – Geländewagen.

Sind Sie schon einmal so richtig abseits aller befestigten Wege und Straßen mit dem Auto durchs Gebüsch und über Felsen bergauf oder durch Sand oder Schlamm unterwegs gewesen? Falls ja, dann wissen Sie, dass das mit einem „normalen“ Auto schlicht unmöglich ist. Auch die höhergestellten SUVs sind kaum dazu geeignet, oder, anders gesagt, ganz wenige dieser Asphaltdschungel-Vehikel sind wirklich zu naturnahen Begegnungen befähigt. Wobei auch anzumerken ist, dass manche Fahrzeuge zwar optisch wie Geländewagen auftreten, aber doch keine sind. Das Scheitern am ersten Bachlauf ist schon durch die meist zu geringe Bodenfreiheit und durch falsche Reifen garantiert, aber auch andere Eigenschaften fehlen komplett: Extreme „Steigfähigkeit“, hohe „Wattiefe“, die Fähigkeit zu großer „Achsverschränkung“ und nicht zuletzt neben dem ohnehin logischen Vierradantrieb auch ein Untersetzungsgetriebe. Meist sind auch größere Reifendimensionen mit höheren Querschnitten üblich, ja fast notwendig. Dazu kommen heute dann auch noch Features, die in anderen Autos ebenfalls verbaut werden, etwa Sperrdifferenziale, elektronische Traktionssysteme etc. Und da diese Fahrzeuge mit solcher Funktionalität oft aus dem militärischen Einsatzbereich kommen, tritt die Optik eher in den Hintergrund und die Funktion bestimmt die Details. Ausnahmen bestätigen die Regel, wobei manch ein Auto durchaus auch luxuriöse Ausstattungsmerkmale haben oder robuste Technik auch mehr oder weniger elegant verpackt sein kann.

Kleine Auswahl

Es gibt unter den Automobilen solche, die besonders praktisch und für einen bestimmten Zweck gebaut wurden, und auch spezielle Autos, die weit über ihre Verwendung hinaus zu Legenden geworden sind. Die Dichte letzterer ist bei Geländewagen eine extrem hohe, auch, weil es nicht wirklich viele dieser raren Spezies gibt, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Der subjektive Urvater aller Geländewagen kommt natürlich aus dem Militär, nämlich der klassische Jeep, der inzwischen zum kantigen Riesen gewachsen ist, ohne seine Grundform wesentlich zu ändern. Aber trotz seiner modernen Beigaben, die etwas Komfort und Straßentauglichkeit bewirken, bleibt er ein ziemlich ruppiger Geselle, der sich dank seiner erprobten Technik immer noch wacker durchs Gestrüpp schlägt. Ein anderer legendärer Offroader ist der Landrover Defender, quasi das Urgestein der Jäger- und Forscher-Autos auf unbekanntem Terrain. Er wird seit Jahrzehnten fast unverändert gebaut und hat sich zu einem Kultobjekt gemausert, das seinen Eigentümern ein gewisses Image verleiht. Schon seit 35 Jahren ist auch ein deutsches Fahrzeug in nahezu gleicher Form zum Statussymbol für die Überwindung aller Hindernisse im Gelände geworden, nämlich die Mercedes G-Klasse. Bei den Schwaben denkt man zwar darüber nach, eine etwas zivilere Spielart des „G“ zu bauen, aber das kantige Charakterauto soll auch in der jetzigen Ausführung weiter gebaut werden. Und sogar mit sehr feinen Ausstattungsmerkmalen bleibt er ein kerniger Kerl, der sich abseits der Straße wohler fühlt als auf Asphalt. Man glaubt es zwar kaum, aber es ist wahr: Der Kaiser unter den Königen im Gatsch ist ein vornehmer und eleganter Vierradler, der auch vor jedem Schloss eine gute Figur macht: der Range Rover. Wenn es darum geht, Wasser zu durchfahren oder Steigungen zu erklimmen – er ist vorne, kann alles und noch mehr. Seite Wattiefe von 90 Zentimetern ist unerreicht, lediglich der Konzernbruder Defender, der Ford Ranger und der Toyota Landcruiser können ihm mit Respektabstand folgen. Alle anderen, etwa der Jeep oder der VW Amarok und der Nissan Pathfinder, hinken in ihren Fähigkeiten hinterher, auch wenn sie beim Einsatz im Alpen-Gelände allen Anforderungen genügen. Unter den kleineren Geländewagen hat der japanische Evergreen Suzuki Vitara die Nase im Wald ganz vorne, aber auch der Landrover Freelander kann mehr, als er optisch hergibt.

René Herndl

Alle Beiträge aus Auto & Motorrad


Facebook Icon