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Höher, steiler, länger

Dem Reiz des Unbekannten folgen. Das ist die Herausforderung, der sich Rudi Hauser seit vielen Jahren stellt. Zunächst rein aus persönlichem Antrieb, mittlerweile als Produzent hochwertiger Berg- und Kletterfilmproduktionen. Es sind extreme Aktionen, die der 37-jährige Extremkletterer und Alpinist aus dem Pongau bisher gemacht hat – und es ist noch so einiges geplant.
Ein Artikel von Andrea Kocher

Seit mehr als 18 Jahren reist Rudi Hauser um den Globus, sei es für Erstbegehungen im Eis der Norwegischen Alpen oder für die Bewältigung der schwierigsten Felsrouten am Cerro Torre in Patagonien. Nur zwei Beispiele, denn die Liste seiner bisherigen sportlichen Leistungen lässt sich noch weit fortsetzen. An all diese extremen Vorhaben ohne Angst heranzugehen und in allen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, dafür ist der Pongauer mittlerweile bekannt. Für ihn ist es ganz normal, sich stets aufs Neue am Limit zu bewegen und sich an Vorhaben zu versuchen, die noch kein anderer zuvor bewältigt hat. Manch Außenstehender könnte dies vielleicht mit Prädikaten wie ‚verrückt‘ oder gar ‚lebensmüde‘ beurteilen. Damit hat das Ganze aber, wie Rudi Hauser vorwegnimmt, nichts zu tun. Es ist vielmehr die Frage nach den persönlichen Grenzen, die der Athlet immer wieder beantwortet haben möchte. Das ist wohl bei allen Extremsportlern so. Die Frage ist immer die, ob die Kletterroute bewältigbar ist, ob die Begehung funktionieren kann. Kurzum, ob es geht oder nicht.

Lernen mit jedem Schritt
Dabei kann es durchaus zu brenzligen Situationen kommen. Auch das muss so sein, sagt Rudi und erklärt: „Die stärksten Momente sind jene, an welchem Körper und Geist an ihre Grenzen kommen. Das Herantasten an dieses Limit erfordert eine kompromisslose Einschätzung am Berg. Die Erfahrung ist die Summe der überlebten Fehler.“
Zum Klettern ist Rudi durch Zufall gekommen. Weder durch Familie noch Freunde für die Leidenschaft für den Bergsport vorbelastet, begann er mit für einen Kletterer eher späten 19 Jahren. Die Szene war damals aktiv und es gab einige „Galionsfiguren“ aus seinem näheren Umfeld im Gasteinertal und generell im Pongau, an denen er sich als Junger orientierte und denen man nacheifern konnte. Albert Precht aus Bischofshofen, der 2015 bei einer Bergtour in Griechenlang tragisch verunglückte, gehörte neben anderen zu Rudis Mentoren. „Von Alpinisten wie Albert, Steve House und Anatoli Burkrejew habe ich mir viel abgeschaut“, sagt er.

Mentale Stärke und Krisenresistenz
Dank gutem Verhältnis von Körpergröße und Gewicht, ausgeprägter Grundmotorik sowie dem nötigen Talent brachte Rudi auch beste Voraussetzungen für seine Kletterkarriere mit. Im Laufe dieser konnte er mehrmals mit besonderen Leistungen aufzeigen, als Profisportler sah er sich aber nie so wirklich. Der Sport war es aber, durch den er eine einzigartige Fähigkeit an sich selbst entdecken konnte: Seine mentale Ausdauerstärke. Diese zählt heute zu seinen Markenzeichen, genauso wie die damit verbundene Krisenresistenz.

Fotos: 1.-3. ©bergermarkus.com; 4.-5. ©ServusTV/Bergwelten/MarkusBerger/Alpine Management Art Media GmbH

Extremklettern auf Kommando
„Wenn du viel draußen bist in der Natur, wirst du als gesamtes Wesen sensibler. Du entwickelst deine Stärken immer weiter und wenn du dann auch noch an deinen Schwächen arbeiten kannst, wird es richtig interessant“, sagt Rudi. Dabei an die Grenzen der Belastbarkeit zu gehen und zu bestehen, ist der Punkt, an dem sich der Kreis vom nötigen Draufgängertum zum kalkulierten Risiko schließt. Von heute auf morgen wurde nämlich weder ein Kletterprofi noch ein Extremsportler einer anderen Sparte geboren. Rudi hat sich seine Leistungen über viele Jahre „erklettert“. Sein „Revier“ ist das Hochkönigsmassiv und das Tennengebirge – es gibt kaum eine Wand dort, die er noch nicht bezwungen hat. „Du gehst jedes Mal einen Schritt weiter, steigerst von Mal zu Mal, bis es schließlich zwei steile Wände und drei Touren in Folge waren. Du entwickelst dich weiter, merkst, dass dein Körper funktioniert. Letztendlich waren es zwei tausend Meter hohe, senkrechte Wände am Stück“, erzählt der Pongauer über seinen Alleingang am Hoch-könig und Hoch-kogel. Beide Routen zählen zu den Meisterwerken von Kletterlegende Albert Precht. Diese extreme Leistung absolvierte er 2014 im Rahmen eines Filmprojektes, bei dem er sich wiederum auf neue Situationen einlassen musste. „Es ist schon nochmal ein anderer Druck, weil du voll auf dein Umfeld eingehen musst. Soloklettern auf Kommando zum Beispiel“, erzählt Rudi, der dieses Abenteuer als ein Highlight seiner Karriere betrachtet. Allein die Vorbereitungszeit darauf betrug für ihn und sein Team ein halbes Jahr.

Nächste Weltpremiere ist geschafft
Die Herausforderung annehmen und ans Limit gehen: Als Profisportler konnte und wollte Rudi Hauser sich dann doch nicht durchsetzen. Das Klettern und generell der Bergsport mit seinem breiten Spektrum an Möglichkeiten und die Kontakte in der Szene eröffneten ihm neue Möglichkeiten. Gemeinsam mit seiner Partnerin gründet er 2017 die Filmproduktionsfirma „Alpine Management Art Media GmbH“. Das aktuelle Projekt darf schon mit Spannung erwartet werden.
Das Filmproduktionsteam wird dabei mit einer Weltpremiere aufwarten: Gedreht wurde eine Dokumentation in den größten Eishöhlen der Welt, jenen in der Eisriesenwelt im Tennengebirge sowie im Toten Gebirge des Ausseerlandes. „Es ist uns gelungen, die weltweit schwierigste kombinierte Route in Fels und Eis untertage erstzubegehen und frei zu klettern“, kündigt Rudi an. Gleichzeitig sind neue Teile der Eisriesenwelt durch Rudi Hauser und Georg Santer, ebenfalls Alpinist, sowie den Betriebsleiter und Höhlenforscher der Eisriesenwelt, Alois Rettenbacher, erschlossen und zugänglich gemacht worden.
Die Produktion der Alpine Management Art Media GmbH wird am 02. Dezember um 20.15 Uhr in der Sendung „Bergwelten“ auf Servus TV ausgestrahlt.

Fotos: 1.-5. ©ServusTV/Bergwelten/MarkusBerger/Alpine Management Art Media GmbH; 6.-10. ©bergermarkus.com

Rudi Hausers „Meisterwerke“ auf einen Blick:

  • Die Red-Bull-Dokumentation „X-Ice“, ein 1.000 m Marathon durch Eis und Fels in 11 Stunden.
  • Solobegehung des 280 m senkrecht gefrorenen Eisgiganten „Supervisor“  – das englischsprachige Fachmagazin „Alpine“ würdigte diese Aktion mit der Titel-Headline „An outstanding Solo ever made on pure Ice“
  • Freiklettern der Technoroute „Philadelphia” am Hochkönig: Sie zählt heute noch zu den schwierigsten Alpintouren in den Ostalpen. Die Route wurde von Albert Precht in den 1990er Jahren erstbegangen. Er beschrieb sie als seine anspruchsvollste Kreation.
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