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Home, Smart Home…

Wenn Mikrowellen selbstständig kochen und Thermostate sich von alleine regulieren, dann geht es smart zu. Doch was bedeutet das? Wir sagen Ihnen, warum die Technik unsere vier Wände erobern wird und warum Datenschützer deswegen ebendiese hochgehen werden.
Ein Artikel von Andreas Feichtenberger
Foto: zhu difeng - stock.adobe.com

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Wir stehen an der Wende zur digitalen Revolution. Ja, der Übergang geht schleppend, doch künstliche Intelligenzen (KI) wie Alexa, Siri oder Bixby werden schon bald ebenso selbstverständlich sein, wie es heute das Smartphone ist. Und das ist auch durchaus nachvollziehbar, sorgen diese Smart Home Systeme doch nicht nur für Unterhaltung, sondern auch für bisher nicht gekannten Komfort. Die Stimme der KIs ist aber eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. Hinter einem Smart Home, einem cleveren Zuhause, verbergen sich zig kleine Helferlein, die alle miteinander verbunden sind.

Die Basics müssen stimmen
Was macht also ein solches Smart Home aus? Auf den internationalen Elektronikmessen wird es uns vorgeführt: Das Fenster des Backrohrs ist gleichzeitig ein Bildschirm, der Kochrezepte anzeigt, der Toilettensitz wird per App vorgewärmt, die Musik wird per Zuruf gesteuert und das Licht ohnehin. Die Zahnbürste hat eine Bluetooth-Schnittstelle und die Waage synchronisiert sich mit dem Handy. All diese Dinge werden über eine App gesteuert oder über die bereits erwähnten Speaker Systeme. Voraussetzung dafür ist ein Access Point, der mit dem Internet verbunden ist. Dieser kann jederzeit und von überall angewählt werden. Befehle können bequem per Handy gegeben werden. Wenn Sie also beispielsweise das Büro verlassen, können Sie schon den Befehl „Heizen“ senden, damit es in der Wohnung warm ist, wenn Sie ankommen. Sie können aber auch die Kaffeemaschine starten und der Cappuccino wartet bei Ihrer Heimkehr bereits. Oft geschieht das über WLAN-Steckdosen oder die Geräte lassen sich gleich direkt ansteuern. Die Fachwelt spricht vom Internet der Dinge (IoT).

Foto: Andrey Popov - stock.adobe.com

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Gute Gesprächspartner
Noch komfortabler machen es uns die Sprachassistenten. Vorreiter der Sparte ist Amazon mit Alexa, da das Unternehmen die meisten kompatiblen Geräte bietet. Das System hat mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen und mit immer wieder publik werdenden Datenschutzverletzungen.
Das Interesse an dieser Technik ist aber dennoch ungebrochen. In Österreich besitzen aktuell rund 14 Prozent der Haushalte einen derartigen Assistenten und jeder fünfte plant die Anschaffung eines solchen digitalen Freundes. Haushaltsgeräte werden aber nur von rund sieben Prozent übers Internet gesteuert. Das Marktforschungsunternehmen IDC geht davon aus, dass sich die Zahl der Smart-Assistant-Geräte bis 2022 jedoch mehr als verdoppeln wird. Der Grund: Sie werden schlicht und einfach immer besser. So wird Alexa bald von alleine warnen können, wenn die Batterien im vernetzten Türschloss leer werden oder die Tinte im Drucker ausgeht. Auch menschlicher soll der Assistent werden und mithilfe einer Stimmenanalyse feststellen können, ob der Besitzer frustriert ist. Um besser mit Alexa kommunizieren zu können, versieht Amazon Gegenstände mit einem Mikrofon, die wir dicht am Körper tragen, einen Ring und eine Brille beispielsweise – noch sind diese aber in der Testphase, heißt es. Was die Kinderschuhe bereits verlassen hat, sind vernetzte Lautsprecher mit verbessertem Klang. Das Amazon Modell Echo Studio soll entschieden billiger als Konkurrenzprodukte wie Apple oder Sonos sein und für beeindruckenden Surround Sound sorgen.
Doch warum sollen wir überhaupt Geld dafür in die Hand nehmen?

Was gewinnen wir?
Aktuell verwenden wir die Technik vor allem für eher banale Dinge wie Musiksteuerung oder Lichtstimmung, aber auch automatische Beschattung und Heizung sind gefragt. Eine kleine Rechnung, warum es sich dennoch auszahlen kann: 16 Mal am Tag betätigen wir durchschnittlich einen Lichtschalter, 10 Mal steuern wir unsere Musik, vier Handgriffe brauchen wir, um uns bettfertig zu machen usw. Werden all diese Handgriffe, die einem die Technik abnehmen könnte, auf eine Familie und aufs Jahr hochgerechnet, so sind das um die 50.000 Prozesse. Da lässt sich schon einiges an Zeit einsparen. Zudem gewinnen wir Sicherheit. Wir können von außen kontrollieren, ob Fenster geschlossen sind oder der Herd abgedreht ist. Unser Smart Home warnt uns, wenn Wasser austritt oder ein Fremder ins Haus eintritt. Der nächste Schritt aber ist die Entwicklung vom smarten User zum echten Smart Home. Heißt: Nicht der Hausherr oder die Hausherrin sollen es von außen steuern können, sondern das Haus steuert selbst. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind die Zauberworte – stromfressende Stand-by-Geräte werden ausgeschaltet, wenn sie nicht gebraucht werden und die Temperatur wird gedrosselt, wenn niemand im Haus ist – beispielsweise könnten Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen autonom miteinander interagieren.

Foto: Sergey Nivens - stock.adobe.com

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Die Kehrseite der Medaille
Das neue 5G-Netz wird dafür sorgen, dass all diese Visionen problemlos über die Bühne gehen – leider aber auch dafür, dass immer mehr Daten der User gesammelt werden können. Mit jedem Gerät, mit dem wir unser Smart Home erweitern, produzieren wir Daten und wenn wir nicht aufpassen, öffnen wir leider auch potenzielle Hintertürchen für Cyber-Angriffe. Gerade Alexa hat diesbezüglich sehr schlechte Schlagzeilen gemacht, aber auch von Smart Homes, die von Hackern übernommen wurden, hörte man in den Medien. Oberste Priorität hat daher ein Heimnetzwerk mit höchsten Sicherheitsstandards und wenn Passwörter vergeben werden, müssen diese bitte komplexer sein als der Name des Hundes.
Aber noch ein weiteres Problem existiert: Die Videokameras und Mikrofone schicken die Daten direkt auf die Internetserver der Hersteller, wo sie von einer KI analysiert werden. Datenschützer befürchten nun, dass Sicherheitsbehörden ohne das Wissen der Nutzer auf diese Daten zugreifen können.

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Foto: mast3r – stock.adobe.com/h6>

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