Jazz-Revolutionär aus Gastein

Das Gasteinertal gilt als Hotspot für Jazz. Zu verdanken ist das vor allem Sepp Grabmaier.
Ein Artikel von Maria Riedler

Im Gasteinertal geben sich seit Jahren Jazzgrößen aus aller Welt die Türklinken in die Hand. Das ist ein Verdienst von Sepp Grabmaier. Der ehemalige Versicherungsmakler hat das Gasteinertal, sonst vor allem als Kur- und Heilregion international bekannt, zu einem Mekka für Jazzliebhaber gemacht: Ob „Snow Jazz Gastein“ oder „Summer Jazz in the City“ – dank Grabmaier treten dort seit gut 16 Jahren allgemeine Größen des Jazz auf. Entwickelt hätte sich das alles aufgrund einer „Serie an Zufällen“, die ineinander spielten, sagt der 57-Jährige. Bis 1982 wurde in dem Sägewerk noch Holz verarbeitet. Nachdem der Betrieb eingestellt worden war, wollte Sepp Grabmaier, der sich „aus Faszination und Hass“ mit Bildhauerei beschäftigte, das Sägewerk zum Atelier umfunktionieren. Einige Freunde halfen ihm, das marode Dach zu reparieren. Als Dankeschön lud er alle Helfer zu seinem 40. Geburtstag in das Sägewerk ein, die „Querschläger“ spielten auf. „Das Konzert war total ausverkauft“, schildert Grabmaier.

Start mit Topstars

Richtig los ging es allerdings, als Grabmaier im Juli 2000 seinen neu errichteten Internetanschluss ausprobierte und sich mit absoluten Topstars – dem schwedischen Esbjörn Svensson Trio – in Verbindung setzte, um die Tourdaten der Band abzufragen. Am 18. November 2000 spielte die Band in München und am 20. November in Wien. „Das liegt ja am Weg, dachte ich mir“, so Grabmaier. Da ihm die Managementagentur der Künstler gleich eine ganze Serie an Jazzkonzerten anbot, die es günstiger machten, habe man die Gelegenheit einfach genutzt. „Ich habe dann 25 Gasteiner Firmen angerufen und sie alle verrückt gemacht und um Unterstützung gebeten. Nach zehn Tagen hatten wir einen Sponsorvertrag.“ So entstand der Verein „Jazz im Sägewerk“ – „in einem Rohbau ohne Toiletten usw. Wir waren damals vielleicht 15 Leute.“ Nach der Housewarming-Party im September zählte der Verein bereits 80 Mitglieder. „Dann waren alle Konzerte ausverkauft, obwohl viele keine Ahnung hatten, was sie sich da kauften“, schmunzelt er in Erinnerung. „Ich hab ihnen das eingeredet.“ Eines der ersten Konzerte im Jazzclub war ein „Muttertagskonzert“. Einige Einheimische seien mit ihren Müttern zum Konzert des österreichischen Jazzkomponisten und Posaunisten Christian Muthspiel und seinem Projekt „Motley Mothertongue“ gekommen. „Wir hatten auch Sabina Hank, Benjamin Schmid und viele andere bei uns.“

„Die Besucher schätzen die feine Qualität hier und die Musiker die persönliche Atmosphäre.“

Saison Highlights

Mittlerweile kommen die Besucher der Top-Jazzveranstaltungen von überall her, doch ein Stammpublikum hat Jahreskarten für den etwa 200 Besucher fassenden Jazzclub. Das Konzept für das Festival „Snow Jazz“ entwickelte sich übrigens in Zusammenarbeit mit den Touristikern. „Es hieß, wir brauchen ein Highlight.“ Dabei wurden die Tourismusbetriebe der Region sowie die Gasteiner Bergbahnen eingebunden; die Konzerte finden auf Skihütten oder in Hotels und Restaurants statt. Die Hotels bezahlen die Gage und beherbergen die Musiker, dafür bekommen sie die Eintrittsgelder. Die Organisation und das Know-how liegt beim Sägewerk. Auch im Sommer kommen Jazzliebhaber im Gasteinertal auf ihre Kosten. 2011 konzipierte der Jazzveranstalter auf Anfrage des Tourismusverbandes Bad Gastein das Open-Air-Festival „Summer Jazz in the City“. Die Konzerte sind frei zugänglich, die Musik etwas breitenwirksamer und unterhaltender.

Warum seine Veranstaltungen so erfolgreich sind? „Die Besucher schätzen die kleine und feine Qualität hier und die Musiker die persönliche Atmosphäre.“ Die Musiker fühlten sich heimelig, nicht nur wegen der schönen Gegend, sondern auch, weil man ihnen auf menschlicher Basis entgegenkomme. Es sei wichtig, für die Menschen eine qualitative Vielfalt anzubieten, die uns letztlich alle reich mache, „weil sonst tut es ja niemand und wir würden im Mainstream ersticken.“ Ein großer Teil des Publikums reist zu vielen Veranstaltungen des Sägewerks eigens an, auch von sehr weit her, vor allem auch zu den Veranstaltungen wie „Snow Jazz Gastein“.

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Einst erledigte Grabmaier alle möglichen Aufgaben, die im Jazzclub anfallen, selbst – als Hausmeister, Tontechniker, Empfangschef, Ansager, Programmgestalter, Layouter und Webmaster in einem. „Doch mittlerweile konnte sogar jemand vom Verein für einige Stunden angestellt werden.“ Sepp Grabmaier selbst ist Hobbysaxofonist. „Meine Tante Franzi schenkte mir eine Melodica und beim Bundesheer nervte ich alle anderen mit meinem ebenfalls selbst erlernten Flötenspiel“, schmunzelt er verschmitzt. Später kaufte er sich ein günstiges „Sax“ und lernte wiederum im Selbststudium. Stolz ist er auf seine Sammlung alter Saxofone; er besitzt Stücke aus dem Jahr 1915, 1928 und 1938. Aus letzterem spielt er uns sofort, die tollen Klänge des Instrumentes demonstrierend, vor.

Jazz, Kunst & Kultur in Bad Gastein 

Neben dem Schwerpunkt Jazz gibt es Veranstaltungen und Ausstellungen zu Literatur, Malerei und Kabarett: Kulturzentrum Sägewerk (Angerweg 32, Bad Hofgastein) Infos unter www.jazz-im-saegewerk.org

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