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Landbriefträger – einst und jetzt

Egal ob Briefe, Werbesendungen oder Pakete – die 83 Briefträger im Pongau sind nicht nur Überbringer von Postdienstleistungen, sondern zumeist auch gern gesehen bei ihren kurzen, täglichen Stopps vor Pongaus Haustüren.
Ein Artikel von Maria Riedler

Unzählige Menschen schwirren im frühen Morgengrauen durch die Zustellbasis der Post in Bischofshofen – das Gebäude gleicht einem emsigen Bienenstock. Post und Pakete werden sortiert, gescannt und in die gelben Fahrzeuge geladen.

Sabine Ammerer (44) ist eine von insgesamt 36 Mitarbeitern in Bischofshofen und eine von 22 Briefträgern im „Zentral Pongau“. Diese 22 Briefträger, darunter sind vier Frauen, betreuen die Gemeinden von Mühlbach bis zum Pass Lueg und ins Lammertal.

Ihre Arbeitszeit beginnt täglich um sechs Uhr in der Basis. Die Hektik zur frühen Morgenstunde ist Routine für die Mutter einer Tochter. Jeden Tag bringt ein LKW-Zug mit Anhänger gut 800 Pakete zur Zustellbasis. Die Pakete und Briefsendungen werden in einer großen Lagerhalle vorgescannt und landen danach in der Sortierung. „Täglich verlassen bei uns – neben diesen Paketen – etwa 40.000 beschriftete Briefsendungen und 120.000 Werbesendungen die Zustellbasis“, schildert sie. Im Bundesland Salzburg gibt es insgesamt 17 solcher Basen, im Pongau sind es vier.

Ammerer ist bereits seit 13 Jahren bei der Post. Sie startete in der Vorsortierung und wechselte dann in die Zustellung. Mittlerweile ist Sabine Ammerer auch Teamleiterin und führt zehn Mitarbeiter. Aufgrund ihrer administrativen Tätigkeiten betreut sie eine etwas kleinere „Rayon“. Sie stellt die Post im Gemeindegebiet von St. Martin und Niedernfritz zu.

Trara, die Post ist da!

Der Beruf des Briefträgers existiert bei uns erst seit etwa 150 Jahren. Doch es gab schon im Mittelalter eine Beförderung von Briefen und Paketen durch Boten. Stützpunkte dieser Boten, die meist Fuhrleute waren und von Salzburg ins Land hinausfuhren, waren meist Gasthäuser. In fast jedem größeren Ort gibt es daher bei uns auch heute noch einen „Gasthof zur Post“. Wirte hießen „Posthalter“, die Empfänger mussten ihre Post dort selbst abholen. Blieben Poststücke liegen, wurde dies am Sonntag nach dem Gottesdienst verkündet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie das Postwesen modernisiert und eigene Gebäude gebaut. Die Bediensteten wurden in dieser Zeit zu Staatsangestellten. Anstelle der Pferdefuhrwerke kam die Postkutsche und der Bote
wurde durch den Postillion ersetzt, einem Mann in schöner Uniform, der beim Einfahren in einen Ort sein Kommen mit dem Posthorn verkündete: Trara, die Post ist da!

Gab es früher noch einen regelmäßigen Plausch mit dem Postboten, so ist dies für die heutigen Briefträger eher nur mehr spärlich möglich. Die Rationalisierung und Modernisierung der Post hat auch den Nachteil, dass unsere Briefträger durch viele Haushaltszustellungen starken Zeitdruck haben.

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Spardruck bei Post

Der ehemalige Staatsbetrieb ist im Umbruch, der Konzern wurde in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Gab es noch in der Nachkriegszeit Briefträger, die im Winter sogar mit Skiern zu entlegenen Bauernhöfen unterwegs waren, so setzt man jetzt bei der Post auf einen modernen Fuhrpark und stockt mit Elektroautos auf.

Manfred Dorgl ist Gebietsleiter der Zustellbasis in Bischofshofen. Er leitet insgesamt drei Basen, neben Bischofshofen sind dies noch Kuchl und Bad Hofgastein. Zu seinen Aufgaben gehören unter anderem das Erstellen von Dienstplänen, Personalführung und -Schulung. „Im Pongau gibt es insgesamt 83 Briefträger“, sagt er. Am Land werden, im Unterschied zur Stadt, Briefe und Pakete durch die Post zugestellt. In Mauterndorf im Lungau wurde sogar schon mit der Zustellung von Paketen am Samstag gestartet, im übrigen Bundesland soll dies spätestens bis zum Herbst der Fall sein.

Seit vielen Jahren befindet sich die Österreichische Post im Wandel. Ursache sind wesentliche Rückgänge im Briefgeschäft und ein Wachstum in der Paketzustellung. Vor gut 15 Jahren startete eine Modernisierungswelle in der Post. Umgestellt wurde beispielsweise in eine manuelle Datenerfassung. Jetzt trägt jeder Briefträger so einen kleinen Computer mit sich, wo eine automatische Daten-übertragung gegeben ist. Postkunden können so per SMS oder Mail informiert werden und sehen, wo ihre Sendung gerade unterwegs ist. „Das sind Informationen, die von unseren Kunden besonders geschätzt sind“, erklärt Dorgl.

Der Spardruck des Postmanagements ist natürlich spürbar. Die Zahl der Briefträger sank und ihre Zustellrayone wurden größer. „Doch es wurde niemand entlassen“, betont Kurt Obermann, der Distributionsmanager für Salzburg. „Die Abgänge sind zum Großteil natürliche Abgänge, also zum Beispiel Pensionierungen.“

Mittlerweile hat die Österreichische Post einen kompletten Wandel vollzogen. Dazu gab es eine starke Modernisierung auch durch Sortiermaschinen.

Stolz ist man darauf, dass die Post im internationalen Ranking bei Umfragen zur Kundenzufriedenheit ganz vorne dabei ist. Die Zustellqualität ist den Österreicherinnen und Österreichern sehr wichtig.

Dazu gehört natürlich auch die Motorisierung des Fuhrparks. „Im Pongau verfügt die Post über 70 Fahrzeuge“, erzählt Kurt Obermann. 2008 wurde im Pongau übrigens das letzte Motorrad für die Zustellung aussortiert.

Die automatische Datenerfassung half mit, den Verwaltungsaufwand zu minimieren. „Diese Automatisierung erleichtert meine Arbeit“, betont Ammerer.

_MG_2856Höflich und fit

Sabine Ammerer braucht für die morgendliche Vorsortierung „ihrer“ Post etwa zwei bis drei Stunden. Routiniert und gut gelaunt checkt sie „ihre“ Post und belädt „ihren“ gelben Wagen mit Paketen. „Je nach Saison sind das zwischen 10 und 100 Pakete. Zumeist ist das Auto komplett angefüllt. Manchmal sind auch riesige Teile dabei, wie unlängst eine Gartenbank“, lacht sie. Bis zu 31,5 kg werden von unseren Briefträgerinnen und Briefträgern zugestellt, das heißt, körperliche Fitness ist eine der Grundvoraussetzungen und gehört zum Anforderungsprofil eines Briefträgers. Dazu kommen gutes Orientierungsvermögen, Höflichkeit, Stressresistenz und Freude am Umgang mit Menschen.

Das genaue System der Vorsortierung ist später für die Zustellung beim Haushalt wichtig. Mit nur einem Handgriff hat Ammerer für jedes Haus gleich die richtige Post greifbar. Die erste Hauszustellung in Niedernfritz schafft Sabine Ammerer um 8:30 Uhr. „Das ist natürlich vom Umfang der Vorarbeit abhängig und auch davon, wie viele Kilometer jeder Briefträger schon für die Anfahrt zur Gegend berechnen muss.“

Bei der Zustellung der Post geht es auf über 1.600 Meter Höhe, im Pongau sind natürlich viele entlegene Berg-bauernhöfe dabei.

Insgesamt dürften es so 320 Haushalte sein, denen Sabine Ammerer an diesem Tag die Post bringt. Täglich fährt sie dafür gut 80 km. Gerade Bergbauern oder Bewohner von sehr entlegenen Häusern sind es auch, die besonders froh über die tägliche Postanlieferung sind. „Oft findet sich ein Zettel an der Tür – bitte anläuten.“ So manche haben sogar die Telefonnummer „ihres“ Briefträgers und bitten um besondere Dienstleistungen und zusätzliches Service. „Die Menschen schätzen das und sind dankbar, wenn ich beispielsweise ihre Retoursendungen mitnehme.“

Briefträger sind heute noch geschätzt für so manche, nicht selbstverständliche Umsicht. So erzählt Manfred Dorgl: „Einer unserer Briefträger fand im vergangenen Winter bei seiner Tour in Mitterberghütten einen älteren Mann, der in einem desolaten Haus wohnt, bewusstlos am Boden liegend vor und verständigte sofort die Rettungskräfte. Der Mann hat kaum soziale Kontakte und dass der Briefträger an diesem Tag vorbei kam und nachschaute, das dürfte dem Mann das Leben gerettet haben.“

Gibt es für unsere Briefträger auch so manch unliebsame Kontakte, etwa mit Hunden? Auf diese Frage antwortet Kurt Obermann: „Früher, als Briefträger noch mit der großen schwarzen Tasche unterwegs waren, gab es häufiger Probleme mit Hunden.“ Schulungen zu diesem Bereich fanden statt und es existiert auch eine Mitarbeiterfibel, in der das Personal zum Umgang mit Hunden geschult wird. Im Jahr 2014 wurden österreichweit 47 Briefträger von Hunden gebissen. In Salzburg gab es da sogar einmal eine Vorsichtsmaßnahme, bei der das Unternehmen seine Briefträger mit Hundekeksen ausgestattet hatte.

Sabine Ammerer kennt dieses Problem erfreulicherweise nicht. Sie liebt Tiere und „das spüren auch die Hunde.“

_MG_2908-KopieZurück in der Zustellbasis in Mitterberghütten räumt sie das Post-Fahrzeug aus, darunter sind an diesem Tag viele Retoursendungen und Erlagscheine. Die Pakete kommen noch am selben Tag in den „Poststrom“, das heißt, sie werden retour geschickt.

Tagesabschluss und Arbeitsende ist für Sabine Ammerer zumeist zwischen 14:15 und 15 Uhr. „In Spitzenzeiten sind wir natürlich länger da.“

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