Luxus kann auch bescheiden sein

Für einen Autoliebhaber misst sich der Begriff „Luxus“ ebenso wenig an hohen PS-Zahlen wie an luxuriösen Ausstattungsdetails, vielmehr an jener Stufe der Automobilität, die gerade noch erreichbar ist. Abgesehen vom Unerreichbaren. Also besteht der „Luxus“ darin, etwas über den Horizont der Normalität hinauszublicken und sich auch in bescheidenem Rahmen etwas zu „gönnen“. Und so betrachtet kann Luxus durchaus auch bescheiden sein.
Ein Artikel von René Herndl

Es müssen nicht immer viele Pferdestärken sein oder auch eine große, ausladende Karosserie, um sich in einem Auto luxuriös aufgehoben zu fühlen. Es genügt oft schon ein Detail, das über das Gewohnte hinausgeht, ein besonderes Raumgefühl oder die subjektive Meinung, in einem besonderen Auto zu sitzen. Und so gesehen spielen PS-Zahlen oder der Preis eine fast untergeordnete Rolle. Auch ein kleines Auto, das man nur für die Stadtfahrt einsetzt, ist Luxus, ebenso ein Fahrzeug, das nicht an jeder Ecke zu sehen ist, also eine gewisse Exklusivität dokumentiert. Es kann aber auch eines sein, das von außen groß und schwer aussieht, jedoch nur gering motorisiert ist. Dieser „Luxus“ wird zwar auch mit sozialem Prestige verbunden, beweist aber auch soziale Verantwortung, etwa im Sinne der Umwelt-verträglichkeit und des Energieverbrauchs. So relativiert sich auch die Bezeichnung des Luxusautomobils, die vielfach mit bestimmten Marken assoziiert wird.

Preiswerter Luxus

Ein schon bekanntes Beispiel ist der Skoda Superb, ein durchaus elegantes, modern gestyltes Fahrzeug mit großzügigem Platzangebot, vielen Ausstattungs- und Motorisierungsoptionen, der jedoch kaum in die Liga der Luxusautos eingereiht wird, obwohl er viele luxuriöse Eigenschaften und Features sein Eigen nennt. Wählt man nämlich aus den Optionen nur das Beste und Feinste aus, wobei die Motorisierung nicht die stärkste sein muss, wird jeder Passagier in diesem „luxuriösen“ Ambiente samt technischen Spielereien nur minimale Unterschiede zu den wirklich teuren Fahrzeugen der obersten Klasse finden. Also kann man den Skoda Superb durchaus als ein Auto mit gewissem Luxus klassifizieren, eben als preiswerten Luxus. Dementsprechend sind alle Autos, die eine innere Großzügigkeit und erstklassige Ausstattungsmerkmale – vom edlen Lederbezug der Sitze über elektronische Allerleis bis zu fein glänzendem Klavierlack in der Armaturenlandschaft – vorweisen können, auch bei bescheidener Motorisierung eben auch als bescheiden luxuriös zu betrachten. Das große SUV, egal welchen Herstellers, wird als Luxusvehikel wahrge-nommen, auch wenn der Motor nur vier Zylinder hat, während das kleinere, kompakte SUV auch samt luxuriösen Beigaben einfach nur als „fein ausgestattet“ angesehen wird. Hier spielt das Markenprestige immer noch eine gewisse Rolle. Aber warum sollte nur ein üppig ausgestatteter Vierradler einer so genannten Premiummarke luxuriös sein dürfen?

Interpretationssache

Letztlich liegt, so die allgemeine Ansicht, auch die Empfindung von Luxus im subjektiven Bereich. Auch ein Mittelklassewagen wie z.B. der ganz neue Alfa Giulia oder der kleine Jaguar XE, ist mit entsprechendem Ambiente ein luxuriöses Gefährt, ebenso ein stinknormaler VW Passat, auch wenn dieser fast noch das Image eines Arbeitstiers hat. Die ganz persön-liche Einstellung zum mobilen Untersatz kann aber das Gefühl von Luxus erzeugen, etwa, wenn sich zum Zweckauto auch noch der Spaß hinzugesellt, der nicht alltäglich ist. Und da genügt es auch schon, ein automobiles Spielzeug nebenher zu haben und als Luxus zu empfinden. Generell kann man also sagen, dass der Luxus durchaus schon bei kleineren Autos beginnen kann, wenn sie außerhalb einer Zweckbindung benützt werden und außerordentliche Freude damit verbunden ist. Aber welche Autos sind dann wirklich als „luxuriös“, aber doch bescheiden und preisgünstig(er) zu klassifizieren? Bekannte Sportwagenmarken, Großlimousinen und Autos mit Pferdestärken jenseits der 300 sind da sicher auszuschließen (ausgenommen vielleicht einige amerikanische Exoten). Ein BMW X5 mit einem Vierzylinder-Diesel-Triebwerk dagegen ist als Einstieg ins Luxussegment ein sicherer Tipp. Auch bei den Kombis findet man etliche Angebote, die mittels Zusatzausstattungen und dank Platzangebot der obersten Wohlfühlklasse zuzuordnen sind, und da könnte man schon deutlich unter der 50.000er Grenze ansetzen. Und auch ein Kleinbus mit feiner, wohnlicher Ausstattung statt vieler Sitze geht als Luxusauto durch, vielleicht wegen des wahrhaft gran-diosen Raumangebots samt Kühlschrank oder dergleichen. Da wird das Reisen richtig exklusiv, auch wenn das äußere Erscheinungsbild nicht danach ist.


Gebrauchter Luxus

Eine weitere Möglichkeit zum Einstieg ins Luxussegment bietet der Gebrauchtwagenmarkt in den oberen Klassen. Oftmals sind diese Autos sogar ausgesprochen günstig beim Erwerb, weil die Nachfrage gering, die Erhaltungskosten jedoch höher sind. Da ist dann auch der Preisverlust denkbar gering und wiegt auf längere Sicht die Betriebskosten möglicherweise auf. Dafür ist der Spaß an üppiger Ausstattung und vielen PS auch auf wenigen Kilometern umso größer. Und man kann hoffen, dass das ältere Auto – bis zum Oldtimer-Alter gepflegt – vielleicht sogar wieder mehr wert wird. Das wäre dann ultimativer Luxus.

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