ErwinThoma

Revoluzzer in Sachen Holzbau

Erwin Thoma hat sich seit vielen Jahren dem Thema Holz verschrieben und betreibt in Goldegg ein internationales Forschungszentrum.

„Holz“, sagt Erwin Thoma von der Firma Thoma Holzbau, „ist das beste Baumaterial, es dämmt, schirmt Hochfrequenzstrahlen ab, ist atmungsaktiv und auch winddicht.“ Er verwendet Hochgebirgsfichten und Tannen, „denn diese wachsen langsamer, sind besonders fest, zäh und dauerhaft.“ Dazu gehört natürlich auch die richtige Verwendung von Mondholz, das im Winter bei abnehmendem Mond geschlagen wurde. „Weil es dann optimale Dichte hat und resistenter gegen Schädlinge wie Pilze und Insekten ist.“ Der gebürtige, in Radstadt geborene, Pongauer betont, dass es beim Bauen seiner Häuser keine Nägel, „nur Holzdübel“ gebe.  Diese, so sagt er, „sind zu hundert Prozent aus reinem Holz, wir verwenden auch keinen Leim. Das Raumklima in so einem Haus stimmt einfach. Man fühlt sich automatisch wohl.“

Erwin Thoma fordert, dass die Spirale der Wegwerfgesellschaft beim Bauen durchbrochen werden soll: „Rund 60 Prozent des weltweiten Abfalls stammen vom Bauen – von der Produktion der Baustoffe bis zur Entsorgung von Gebäuden, die weggerissen werden.“ Bei der Herstellung der Baustoffe werde zudem enorm viel Energie verbraucht.

Thoma gilt als der Holzexperte Salzburgs und landete mit seinen Büchern „Die geheime Sprache der Bäume“ oder „Die sanfte Medizin der Bäume“ bereits Bestseller.

Umweltentlastung

„Bei unserer Bauweise entsteht kein Müll. Unsere Häuser kann man abbauen und irgendwo anders wieder aufstellen“, sagt Thoma. Das entlaste den Wald. Ohne Dämmstoffe gebaut, brauchen unsere Vollholz-Häuser kaum Heizung. Bei der Zementherstellung werde 3,5 Mal mehr CO2 verbraucht als beim gesamten Flugverkehr um den Globus. „Die Bauwirtschaft ist großer Verursacher von Müll. Wir brauchen auch dringend Änderungen in unserer Wegwerfgesellschaft und müssen diesen Kreislauf unterbrechen“, betont er. Denn für alle Ein- und Zweifamilienhäuser, die in Österreich gebaut werden, werden 2-2,5 Millionen Kubikmeter Baumaterial verbraucht.

In der Entwicklung des Holzbaus hat sich enorm viel verändert. „Wir freuen uns natürlich, dass maßgebliche Entwicklungen von uns mitgetragen wurden. Gerade bauen wir ein zehngeschossiges Holzhaus in Holland oder eine Holz-Wohnanlage in Dresden, das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.“ Erwin Thomas Gebäude, die er mit 140 Mitarbeitern konzipiert und errichtet, stehen auf der ganzen Welt: Er baute eine Uni in Oslo und eine in Moskau, er baute die Residenz der königlichen Familie in Norwegen, und er baute viele Häuser in Japan, darunter eine Kirche, die alle die Katastrophe von Fukushima unbeschadet überstanden.

Kraft der Bäume

Natur sticht Fortschritt. Das war der Wendepunkt in Erwin Thomas Leben. Damit sein Sohn nicht in ein Internat musste, verabschiedete sich Thoma einst von seinem früheren Traumberuf Förster und die Familie zog in den Pongau, in ein modernes Einfamilienhaus. Plötzlich wurden seine Kinder krank: „Sie entwickelten eine Allergie gegen den Holzleim in den Spanplatten.“ Der ausgebildete Ingenieur reagierte prompt: Mutter und Kinder gingen im Sommer auf die Alm, in eine Holzhütte. Vater und Großvater rissen derweil im Tal jede Spanplatte heraus, die sie finden konnten, entsorgten sie im Sondermüll und ersetzten sie durch Massivholz. „Wir haben gehobelt, genagelt und gezimmert. Alles ganz einfach. Aber die Kinder wurden gesund.“ Seit diesem Zeitpunkt war er von der Heilkraft des Waldes überzeugt und immer mehr Studien geben ihm mittlerweile auch Recht. „Das Baumaterial Holz hat positive Auswirkungen auf unseren Körper. Wenn das Reinheitsgebot eingehalten wird, so stärkt Holz das Immunsystem und verbessert den Schlaf.“ Durch diverse Studien konnte nachgewiesen werden, dass der Mensch auf nicht kontaminiertes Vollholz sofort messbar reagiert: Puls und Herzschlag werden ruhiger, das vegetative Nervensystem wird gestärkt, die Tiefschlafphasen werden länger, der Schlaf insgesamt entspannter. „Das hat die moderne Medizin bewiesen, das ist nicht Humbug oder Esoterik. Auch zum Fichtenholz gibt es spannende Untersuchungen. Die Fichte hat genauso einen guten Einfluss wie die Zirbe auf unseren Körper. Wir verwenden ausnahmslos Mondholz. Ich habe das Wissen von meinem Großvater übernommen, da Mondholz resistenter gegen Pilze und Insekten ist.“

Dass diese These schließlich von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich in einer jahrelangen Studie nachgewiesen wurde, erfüllt Thoma sichtlich mit Stolz. „Natürlich bin ich auf viele unserer Entwicklungen, Patente und Projekte stolz. Aber besonders glücklich bin ich, wenn mir Familien schreiben, wie gut sie plötzlich in unseren Holzhäusern schlafen können oder wie es ihnen gesundheitlich im Holzhaus besser geht.“ Heute liegt Holzbau im Trend. Doch am Markt existiert eine teilweise unüberschaubare Vielfalt. „Hartnäckig hält sich leider noch immer die Botschaft, dass Vollholzbau unleistbar wäre. Das ist ein großer Irrtum, wir sind mittlerweile gut in der Wettbewerbsfähigkeit am Markt“, so Thoma.

Prophet im eigenen Land?

„Zu Beginn haben die Leute gesagt, dass ich deppert bin, aber ich habe mich nicht abbringen lassen“, erklärt Thoma. „Früher haben wir unsere Botschaft oft kernig formuliert. Wurden durch viele angegriffen“, lächelt er. Lange Zeit war er wohl ein einsamer Pionier in Sachen Holzbau: „Anfangs haben wir zu 99 Prozent nur exportiert. Mittlerweile haben wir auch in Österreich mehr und mehr Projekte.“ Erwin Thoma ist international bekannt und auch für Vorträge sehr gefragt. In den letzten zehn Jahren, so schätzt Erwin Thoma, „haben wir über 1000 Projekte allein im Nordhalbkugel-Bereich der Erde gebaut. Vor 15 Jahren waren wir dem heutigen Stand der Technik schon voraus und haben überlegt, ob wir in die Fertigungsindustrie einsteigen sollten. Doch wir haben uns für eine Zukunft in Partnernetzwerken und Forschung entschieden. Deshalb ist unsere zentrale Aufgabe heute die Entwicklung, Forschung und Fertigung von Vollholzhäusern. Dafür haben wir 130 Mitarbeiter und 200-300 Partnerbetriebe weltweit.“ Er zeigt auf einen Ski: „Auf solchen Skiern mit Eschenlamellen aus Goldegg, die wir mitentwickelten, fuhren oder fahren etwa Lindsey Vonn, Bode Miller und Maria Riesch zu ihren großen Erfolgen.“ Thoma will sein Unternehmen möglichst im Einklang mit der Natur führen – das sei auch für Österreichs Wirtschaft zukunftsweisend. „In Österreich dürfen wir nicht mit dem weltweiten Mainstream mitschwimmen, da haben wir keine Chance. In der Umwelttechnik könnten wir aber eine Fürungsrolle einnehmen“, sagt Thoma.

Maria Riedler

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