hochprozentige_klarheit

Schnaps ist nicht gleich Schnaps

Pongauer Schnapsbrenner verstehen ihr Handwerk. Max Gwechenberger wurde nach 2015 auch heuer wieder zum Salzburger Schnapsbrenner des Jahres gekürt.
Ein Artikel von Maria Riedler

Max Gwechenberger führt uns durch seine Wirkungsstätte und seine stilvoll renovierten, alten Kellerräume im Ortssteil Urpass bei St.Veit. Schnell fällt unser Blick in der Schnapsbrennerei auf den schönen Kupferkessel. Das Kupferbrenngerät verleiht dem kühlen Raum durch seinen Glanz Wärme. „Kupfer ist gut“, erklärt der Nigglbauer. „Kupfer hat eine reinigende Wirkung und hebt die positiven Eigenschaften hervor.“ Mit Hilfe der glänzenden, kupferschimmernden Apparatur und brodelnder Hitze wird der Geist der edlen Früchte gewonnen. Hochprozentige Klarheit läuft in bauchige Kugeln und es duftet nach der Essenz der Frucht.

Was einen besonderen Edelbrand ausmacht, das weiß der St. Veiter Schnapsbrenner genau. Denn auch heuer gewann Gwechenberger bei der „Ab Hof“ in Wieselburg. Dort verzückte er die Jury mit seinen Edelbränden und holte 16 Medaillen – sechs in Gold; vier in Silber und sechs in Bronze. Mit seinem hochprozentigen Holler und dem Anisschnaps „Maxos“ wurde Gwechenberger sogar zum Bundessieger gekürt. Nebenbei gewann er den Titel als bester Schnapsbrenner Salzburgs, den er schon 2015 erobert hatte. Der 53-jährige Gastronomiekaufmann und Landwirt heimst praktisch Jahr für Jahr eine Auszeichnung nach der anderen ein.

InterviewHochprozentige Tradition

35 verschiedene Sorten von Schnäpsen gibt es beim Niggl-bauer. Das Angebot reicht von verschiedenen Beeren-, Stein- und Kernobstbränden bis hin zu Grappas und Barrique-Spezialitäten. Sein Spezialgebiet sind sicher die feinen Destillate aus Beeren wie aus Johannisbeere,
Himbeere oder Schwarzbeere.

„Ich habe erst 1999 mit dem Schnapsbrennen begonnen“, erzählt der leidenschaftliche Schnapsbrenner. Er besitzt das Brennrecht, das einen Hof zum Schnapsbrennen berechtigt, aus der Zeit Maria Theresias und darf pro Jahr 300 Liter reinen Alkohol herstellen, das sind dann etwa 600 Liter Schnaps. Begonnen hat Gwechenberger damals mit einem St. Veiter Birnenschnaps, der im folgenden Jahr gleich eine Silbermedaille einbrachte.

Was seinen Erfolg ausmacht? „Ich hatte das eigentlich nie vor“, sinniert er. „Wahrscheinlich ist das schon ein Teil des Erfolges, dass ich völlig ohne Druck startete.“ Wesentliche Erfolgsfaktoren für einen hochqualitativen Schnaps seien nämlich – neben der besten Qualität und Frische der Frucht , die Zeit und die Geduld. „Prinzipiell sind Beeren leicht verderblich, sie haben feine Aromen. Die perfekte Frucht und die richtige Gärung machen den 100 Prozent guten Schnaps aus. Bei der Verarbeitung muss alles passen“, und der erfahrene Schnapsbrenner fügt hinzu: „Manchmal ist weniger auch mehr.“

Es ist hauptsächlich die Gastronomie von Vorarlberg bis Wien, die seine Edelbrände schätzen. „Mein Schnaps findet sich aber auf einer Almhütte genauso wie im Hauben-restaurant.“

Natürlich freue er sich sehr über die vielen Auszeichnungen, „aber im Leben kannst du nicht alles erzwingen, manches musst du einfach erwarten können.“ Große Pläne für einen Ausbau hat Gwechenberger nicht, er bleibt lieber bei seinem Motto: „Hochqualitative Produkte in kleinen Mengen.“

Der Nigglbauer rüstet derzeit schon zum nächsten Ziel – das heißt Whisky.

fässer_warter

Foto: ShootingStarSibylleSieder

Whisky reift im Gletschereis

Lange Zeit wurde Whisky fast ausschließlich in Schottland und Irland hergestellt. Doch inzwischen ist Whisky das erfolgreichste Destillat der Welt – „flüssiges Gold“. Es wird in Amerika, Japan, Indien und zahlreichen mitteleuropäischen Ländern produziert. Da die Nachfrage nach Obst-Bränden weltweit sank, stieg jene nach Whisky an. Dies brachte Schnapsbrenner auf die Idee, selbst Whisky zu brennen.

Bei unserem nächsten Schauplatz – im Ennspongau – sind wir bei der Familie Warter vom Mandlberggut. Bernhard Warter startete bereits 2007 mit der Whisky-Herstellung, da die Nachfrage sehr groß war.

Auf 2700 Meter Höhe ruht zwischen Felsen und Eis seit Juni 2014 sein ganz besonderer Schatz: In fünf Eichenfässern reifen im Eispalast am Dachstein 550 Liter Whisky. Bernhard Warter, der Hersteller des edlen Tröpfchens und seine Familie kontrollieren den hochprozentigen
Inhalt der Fässer zwei- bis dreimal im Sommer. „Wir fahren auf den Gletscher, um nach dem Whisky zu sehen. Normalerweise braucht er drei Jahre, bis er fertig ist. Dort oben dauert es aber länger. Grund dafür sind die hohe Luftfeuchtigkeit und die Kälte –, weil nicht viel verdunstet, reift er auch langsamer“, sagt Theresa Warter. „Momentan kann man ihn noch nicht verkosten, es wird noch dauern, bis er fertig ist.“ Warter rechnet damit, dass 2018/2019 der erste Gletscher-Whisky am Markt sein wird.

„80 Prozent verkaufen wir ab Hof. Der Rest kommt an Gastronomiebetriebe der Region“, so Warter. „Der Rock Whisky ist ein leichter und milder Whisky, er schmeckt nach Vanille und Karameltönen.“

So darf man auch auf den ersten Pongauer Whisky vom Gletscher gespannt sein.

Alle Beiträge aus Gesellschaft & Kultur


Facebook Icon