Schutzhütte mit Selbstverwaltung

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Schutzhütte mit Selbstverwaltung

Das Leopold-Happisch-Haus am Tennengebirge soll mit Anfang Juni mit einem visionären Selbstversorgerkonzept wieder für Bergsteiger geöffnet sein. Die PONGAUERIN überzeugte sich von den Umbaumaßnahmen vor Ort.
Ein Artikel von Maria Riedler

Oben, auf knapp 2.000 Metern Höhe am Windischriedel angekommen, schauen wir zuerst im offenen Winterüberlebensraum im Untergeschoss des Happisch-Hauses nach. Dieser wurde neu umgebaut und stellt nun ein einfaches, aber komfortables Notlager für zirka 12 Personen dar. Alles ist nach dem langen Winter immer noch im Topzustand. Helmut Schwarzenberger, der Geschäftsführer der Naturfreunde, strahlt: „So schauen die Menschen auf das Haus und auf den Raum, der ja für alle Bergsteiger wichtig ist.“

Da es beim Happisch-Haus dringend wieder an der Zeit war, notwendige Erneuerungen an der Bausubstanz durchzuführen, wurde in der letzten Saison mit dem Umbau begonnen.

Energieversorgung, Wasser und Abwasser Ver- und Entsorgung waren teilweise sehr desolat und entsprachen nicht mehr dem Stand der Technik.

Dem fast fertig gestellten Umbau im hinteren Teil der Hütte für die neuen WCs und die Sanitäranlage fehlt noch der letzte Schliff. Elektriker und Installateur sind am Fertigstellen.

Schneesturm zerstörte Fenster

Für den Landeshüttenreferenten der Naturfreunde, dem Großarler Erich Breitfuss, ist dies sein Hauptprojekt. Mit großem persönlichen Einsatz und Engagement erzählt er: „Wir haben alles vor drei Jahren digital vermessen und starteten mit den Umbauplänen. Es musste ein Fluchtweg eingebaut werden, ein Neubau der Zu- und Abwasseranlage gemacht und überhaupt alles dem neuesten Stand der Technik angepasst werden. Die Wasserquelle ist gut zwei Kilometer vom Haus entfernt. Es wird ein getrenntes System für Trink- und Nutzwasser fertig gestellt. Eine Solaranlage erwärmt das Wasser.“ Schmunzelnd erzählt er, dass er im letzten Jahr dafür jede Woche zu Fuß raufgegangen sei. „Dieser Umbau ist mir wichtig und ans Herz gewachsen.“

Im Aufenthaltsraum liegen Schneereste und es ist eiskalt, darum heizt Georg Harlander ein. Er und Gottfried Harlander sind dabei, die durch den Schneesturm im Winter zerbrochenen Fenster zu reparieren. „Die Polizei hat das bei einem Flug über das Tennengebirge bemerkt. Sie haben das notdürftig repariert und uns verständigt“, freut sich Schwarzenberger darüber, dass nicht noch viel mehr Schaden aufgetreten ist. Schnell ist der Raum wieder sauber aufgeräumt und durch die Wärme des Ofens getrocknet.

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Hüttenreferent Erich Breitfuss mit den Umbauplänen für das Happisch-Haus.

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Das Fenster wurde durch einen heftigen Schneesturm zerstört und wird repariert.

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Der Winternotraum ist nach der Saison in einem erfreulichen Topzustand.

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„Der Ofen wird auch noch isoliert“, erzählt der Hüttenreferent beim Einheizen.

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Nach getaner Arbeit: Georg und Gottfried Harlander, Helmut Schwarzenberger und Gottfried Breitfuss (Naturfreunde).

Am Plateau beim Happisch-Haus hat man einen traumhaften Fernblick, der bis nach Salzburg hinaus reicht. Was hier heroben geschehen sollte, darüber war gerüchteweise schon viel und viel Falsches zu hören. Sehr transparent und klar ist nämlich die Trennung für die  Baumaßnahmen der Wohnung des Jagdpächters Dieter Schenk. „Es gab da ja leider völlig falsche Informationen und einen Shitstorm“, bedauert Schwarzenberger. „Es ist im Gegenteil so, dass die geplante Vermietung von etwa 60 Quadratmetern an den Jagdpächter kein Problem für das große Haus ist. Der Jagdpächter übernimmt den Ausbau dieses Bereichs. Nach Ablauf der Pacht fällt das in unser Eigentum.“

Im Sinne einer zeitgemäßen Zimmerausstattung wird die Bettenanzahl im Happisch-Haus von 80 auf 50 reduziert. „Durchschnittlich gibt es ohnehin nur rund 500 Übernachtungen pro Saison“, so Schwarzenberger. Neu gebaut wird nächstes Jahr ein Seminarraum, der für größere Gruppen zur Verfügung stehen soll.

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Fotos: Maria Riedler

Innovativer Hüttenbetrieb

Die künftigen Pläne für das Happisch-Haus sind vielfältig. Ab 5. Juni soll das Happisch-Haus wieder eingeschränkt geöffnet sein. Doch anstatt des bisherigen Hüttenbetriebs durch Pächter wird ein konkretes Selbstversorgungs-konzept erarbeitet. „Die Situation mit einem Pächter konnte so nicht weitergehen“, sagt Schwarzenberger. Es seien nur 500 Übernachtungen pro Saison in der abgelegenen Schutzhütte zu verzeichnen, weshalb eine Lösung mit Hüttenwirt wirtschaftlich nicht mehr tragbar war. Die bisherigen Pachteinnahmen hätten nicht einmal für die Bettwäsche für ein Jahr gereicht, schildert Schwarzenberger. Der Schritt zum neuartigen Selbstversorgungskonzept wurde gewagt.

Jäger, Schafhirten, Höhlenforscher und Einheimische, die regelmäßig oben sind, sollen künftig Acht geben. „Es ist eine breit aufgestellte Personengruppe, die gemeinsam etwas organisiert.“ Der Hüttendienst für die Saison ist bereits fast komplett fertig, die Freiwilligen müssen dabei gar nicht viel selbst anpacken, sondern vor allem nur anwesend sein. „Künftig werden sich hier Bergsteiger selbst den Tee oder die Suppe erwärmen und wenn es passt, auch füreinander kochen. Das ist ein visionärer Versuch, dem derzeitigen Trend, alles zuzusperren und Menschen auszusperren, entgegenzuwirken. Hier wurde ein visionäres Zukunftsmodell entwickelt.“

„Auch während der Umbauzeit, wo offiziell geschlossen war, haben hier immer wieder Menschen übernachtet“, erzählt mir der Polier Harlander während seiner Arbeit und lacht: „Wir haben ihnen auch von unserer Jause etwas angeboten.“

Die Bedeutung des Lebensraumes am Tennengebirge ist groß, nicht nur für Bergsteiger und Naturliebhaber. Das Happisch-Haus soll auch Basis für Wissenschafter wie Höhlenforscher und für eine Forschergruppe sein, die auf 2.000 Meter Höhe prähistorische Siedlungsräume erforscht.

„Es ist uns wichtig, das Happisch-Haus für die Zukunft und die nächsten Generationen zu erhalten bzw. in einen Topzustand zu bringen“, betonen Hüttenreferent Breitfuss und Schwarzenberger unisono. Stolz ist man auf eine Nachhaltigkeit bei allen Baumaterialien und Ziel ist das Erhalten eines Umweltgütesiegels. „Ich bin davon überzeugt, dass dieser völlig neue Weg mit einer Selbstverwaltung hier gut funktionieren wird. Ist das doch auch im ureigenen Interesse aller vorbeikommenden Bergsteiger, hier Verantwortung zu übernehmen.“

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