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Sodbrennen: Das lästige Volksübel

Wer kennt das nicht? Man hat gerade eine schmackhafte Mahlzeit zu sich genommen und plötzlich kommen ein säuerlicher Geschmack im Mund und ein Brennen im Hals auf: Sodbrennen.
Ein Artikel von Maria Riedler

Zu viel, zu üppig, zu fett – die kalte Jahreszeit, die Zeit deftig-schmackhafter Gerichte wie Braten mit Soße, Knödel und natürlich verlockend gehaltvoller Nachspeisen ist zwar vorbei, doch sich beim Essen zurückzuhalten, fällt manchen schwer. Die Folgen sind oft nicht nur lästige Kilos auf der Waage, sondern auch ein rebellierender Magen, der sich mit Sodbrennen und Übersäuerung wehrt. Dass dann – vor allem wenn man sich hinlegt – das Essen sauer aufstößt, kennt fast jeder. Laut Statistik leiden etwa 65 Prozent der Bevölkerung gelegentlich unter Sodbrennen. Ursache für das Feuer in der Kehle sind saurer Mageninhalt und Magensäure, die in die Speiseröhre aufsteigen und einen brennenden Schmerz hinter dem Brustbein auslösen. Gelangt der Magensaft auch in den Mundraum, spricht man von „Saurem Aufstoßen“.

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Foto: Angela Shirinov – fotolia.com

Dabei ist der Magen von Natur aus so konstruiert, dass dies eigentlich nicht möglich ist. Das verhindert nämlich normalerweise ein ringförmiger Muskel am Mageneingang. Er verschließt den Magen zur Speiseröhre hin und erlaubt nur eine Passage von oben nach unten, aber in der Regel nicht von unten nach oben. Es gibt aber verschiedene Ursachen, die ein Zurückfließen, den sogenannten Reflux, ermöglichen. Das kann ein angeborener Defekt des Muskels sein. Auch starkes Übergewicht verändert die Anatomie derart, dass der Magen nach oben drückt und der Pförtner dadurch nicht mehr richtig schließen kann. Der Rückfluss von Magensäure, Gallensäure oder unverdautem Mageninhalt in die Speiseröhre ist eine der häufigsten Erkrankung des oberen Magen-Darm-Traktes überhaupt.

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Was bei jedem Einzelnen das Brennen verursacht, ist sehr unterschiedlich. Meist hat aber jeder für sich schon herausgefunden, woran es liegt. Manchmal sind es süße Getränke, manchmal ist es eher Alkohol oder Kaffee, aber auch Stress kann den Reflux auslösen. Daher eignet sich als erste Therapie – besonders nach längerer, üppiger Winterkost – eine fettarme Diät mit über den Tag verteilten, kleineren Mahlzeiten. Am wirkungsvollsten hat sich dabei der Verzicht auf ein spätes Abendessen erwiesen. Wer ab 16 Uhr weder isst noch trinkt, hat gute Chancen, dass die Symptome von alleine verschwinden.

Oft verdrängt

Sodbrennen ist im Prinzip zwar harmlos, trotzdem gibt es viele Geplagte, die regelmäßig unter dieser Erkrankung leiden und sie verdrängen. Ihnen ist ihr Leiden peinlich: Sodbrennen, das sei eine „Wohlstandserkrank-ung“ undisziplinierter Menschen, die nur durch zu viel Essen oder übermäßigen Alkoholkonsum hervorgerufen werde. Und dies, obwohl der Alltag durch die häufig starken Schmerzen deutlich eingeschränkt sein kann. Leider
haben Patienten mit Sodbrennen oft einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, bevor sie professionelle Hilfe suchen. Ob bei der Arbeit, beim gemütlichen Essen, in der Freizeit oder selbst beim Schlafen – wenn Schmerzen
und Unwohlsein zum fast ständigen und regelmäßigen Begleiter werden, dann sollten Betroffene unbedingt dringend einen Arzt aufsuchen. Wer das Zurückfließen des Magensaftes einfach hinnimmt, riskiert schlimme Folgen. Gerade bei leichten und mittelschweren Formen lässt sich die Refluxkrankheit durch Umstellungen der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und gegebenenfalls durch den Einsatz von Medikamenten erfolgreich behandeln. Da bei vielen die eigentliche Ursache, also die Schwäche des ringförmigen Schließmuskels, des sogenannten Ösophagus-Sphinkters, dadurch aber nicht verschwindet, können die Beschwerden wiederkehren.

„Wenn diese Symptome regelmäßig, das heißt, mindestens ein- bis zweimal wöchentlich auftreten, so lautet die Diagnose Refluxkrankheit“, erklärt Oberarzt Georg Schauer, von der Privatklinik Wehrle-Diakonissen in Salzburg. „Reflux kann sogar mit Reizhusten, Asthma, chronischer Bronchitis, Heiserkeit oder Schluckstörungen einhergehen und die Lebensqualität massiv beeinträchtigen.“ Deshalb ist es unbedingt wichtig, einen Arzt zu konsultieren. Dieser wird den Patienten zu einer Magen- bzw. Speiseröhrenspiegelung überweisen, im Zuge derer die Schleimhaut genau untersucht wird. Auch Gewebeproben können bei der Gastroskopie schmerzfrei entnommen werden.

„Eine Operation ist immer dann sinnvoll, wenn die Erkrankung so stark ausgeprägt ist, dass sie mit Medikamenten nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist“, so  Schauer. Aber auch die Aussicht auf eine jahrzehntelange medikamentöse Therapie kann eine Indikation für einen Eingriff sein, vor allem bei jüngeren Patienten. „Durch das dauerhafte Unterdrücken der Säurebildung können sich nämlich schädliche Darmbakterien vermehren, die in weiterer Folge zu Verdauungsstörungen führen können.“

Darüber hinaus könne der ständige Rückfluss von Mageninhalt sogar die Zähne schädigen, und selbst wenn er säurefrei ist, Kehlkopf, Bronchien und Lunge in Mitleidenschaft ziehen. „Bei krankhaften Veränderungen der Speiseröhrenschleimhaut oder bei Vernarbungen der Speiseröhre ist eine Operation ebenfalls dringend anzuraten“, betont der Chirurg.

Rasche Selbsthilfe-Tipps

Was tun, wenn es brennt und schmerzt und aufstößt? Die Diätologin, Privatklinik Wehrle-Diakonissen, Hannelore Schlager, empfiehlt folgende erste Schritte:

Besser bis zu sechs kleinere Mahlzeiten über den Tag hinweg zu sich zu nehmen, anstatt drei großer. Langsam essen und gut kauen. Auf die richtige Zubereitung der Speisen achten: dünsten, kochen und garen statt rösten, braten und frittieren. Blähende Gemüsesorten meiden. Zwischen dem Abendessen und dem zu Bett gehen, sollten außerdem mehrere Stunden liegen.
Magensäure fördernde Substanzen wie Kaffee, Alkohol, Süßigkeiten oder Nikotin sollten weitestgehend gemieden werden. Mäßiger Umgang mit Limonaden oder Fruchtsäften. Süßes gilt generell als Säurelocker.
Um nächtliches Sodbrennen zu verhindern, kann das Hochstellen des Kopfendes beim Bett hilfreich sein.
Gewichtsabnahme ist die oft effektivste Therapie!
In schwereren Fällen kann zusätzlich zur Umstellung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten eine medikamentöse Therapie verordnet werden, die mehrere Wochen oder Monate dauern kann.

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