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Visionär im Tourismus

Zwei Hotels, eine Großfamilie in Österreich und Bayern. Hinter den beiden  Hotels Edelweiß in Großarl und in Berchtesgaden steht der Name Hettegger.  Peter Hettegger aus Großarl begann einst als Elektriker und Forstarbeiter und ist nun einer der erfolgreichsten Hoteliers Österreichs. Derzeit leben in Großarl vier Generationen unter einem Dach.

Den Grundstein legten die Eltern von Peter Hettegger mit einer kleinen Pension im Jahr 1978. Peter war eines von ihren 11 Kindern, der Zweitgeborene. „Schon seit der Eröffnung im Jahr 1979 standen der Kontakt zu den Gästen und das familiäre Miteinander im Mittelpunkt“, erzählt Peter Hettegger. Obwohl Hettegger immer schon im Gastgewerbe aktiv sein wollte, machte er zuerst eine Elektriker-Lehre und arbeitete dann acht Jahre als Forstarbeiter, um Geld zu verdienen. Schon mit zwölf Jahren stand für Peter Hettegger fest, dass er Wirt werden wollte. Seine Eltern vermieteten ein paar Zimmer an Sommerfrischler. „Ich bin gern um sechs Uhr aufgestanden und habe für die Gäste das Frühstück gemacht.“ Aus der Koch- und Kellnerlehre wurde nichts. Vater Peter habe entschieden: „Zuerst lernst einen anständigen Beruf, denn der Vater hatte eine Vision. Jeder der sechs Buben sollte ein eigenes Haus haben.“

Dazu kam natürlich auch Mut und Visionen, um einen solchen Betrieb auf die Füße zu stellen, „doch damals haben die Banken größere Investitionen auch noch mitgetragen. Wir haben alles gut durchdacht und hatten andererseits auch nichts zu verlieren“, erinnert er sich an die Anfänge.

Familiäre Gastgeber

Den Gästen standen damals 14 Zimmer zur Verfügung. Im Laufe der Jahre wurde immer wieder umgebaut und aus dem kleinen Haus wurde mit der Zeit ein Anwesen und aus der Pension das 4-Sterne-plus-Hotel. Was sich aber seit den Anfängen nicht geändert hat, ist der familiäre Zusammenhalt und der Familiensinn: „In unserem Betrieb arbeiten derzeit 17 Familienmitglieder und insgesamt 250 Beschäftigte“, so Peter Hettegger. Die ankommenden Gäste begrüßen bei der Ankunft an der Rezeption Schwägerin Elke und Schwiegertochter Karin mit einem freundlichen Lächeln und heißen sie willkommen. Der 86-jährige Vater geht noch mit den Gästen Almwandern. Bei den Mountainbike-Touren ist ein Großteil der Familie aktiv dabei und bei den Bergtouren begleitet die Stammgäste Hans Peter jun. Großmutter Anna nimmt die Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit und backt im historischen Kösslerhäusl die traditionellen Bauernkrapfen. „Unsere Stärke ist es, dass viele Familienmitglieder ganz vorn mit anpacken. Wir haben 80 Prozent Stammgäste – da ist es wichtig, dass diese immer gleiche Ansprechpartner haben.“ Peter Hettegger hat aber auch ein großes Gespür für die Branche, das belegt nicht nur der hohe Anteil an Stammgästen, sondern auch die durchschnittliche Bettenauslastung von 90 Prozent und die Auszeichnung mit dem Qualitätsgütezeichen für Gesundheitstourismus. „Wir sind Gastgeber aus Leidenschaft“, so Hettegger.

1986 folgte eine erste Erweiterung des Hauses und 2006 kam das Hotel in Berchtesgaden dazu, das seit 2010 in Betrieb ist. Das sei eher ein Zufall gewesen, erzählt Hettegger. Ein Stammgast hätte ihn darauf aufmerksam gemacht. „Ich war das erste Mal 2005 dort und von der Landschaft und den Menschen total begeistert. Überzeugt hat mich die Lage im historischen Ortskern“, sagt Hettegger. „Berchtesgaden ist ein wunderbarer Ort. Das alte desolate Hotel wurde abgerissen und dafür entstand ein neues 4-Sterne-plus-Hotel.“ Das Edelweiß Berchtesgaden führen Peter Hetteggers Tochter Martina und ihr Mann Thomas.

Gewichtiges Wort

Deutschland ist Peter Hettegger mittlerweile als Tourismusstandplatz lieber als Österreich. „Wir hätten ein großes Projekt geplant, das haben wir derzeit auf Eis gelegt, unter diesen Rahmenbedingungen ist es derzeit nicht umsetzbar. Wir werden Mitarbeiter reduzieren und uns von vielen Dingen verabschieden müssen, weil es in Österreich nicht gewünscht ist. Ich fühle mich derzeit in Deutschland besser aufgehoben als in Österreich.“

Peter Hetteggers Wort zählt nach wie vor – zumindest wenigstens in der lokalen Politik. Als die Tourismusschulen in Bischofshofen geschlossen werden sollten, rief man um seine Unterstützung. Und die folgte auch gewichtig mit dem Ergebnis, dass der Standort Bischofshofen erhalten blieb: „Ich war viele Jahre Fachgruppenobmann der Hotellerie. Als damals in Bramberg die Tourismusschule eröffnet wurde, habe ich hinterfragt, ob das auch noch notwendig sei“, erinnert sich Hettegger. „Dann hieß es fünf Jahre später, dass wir in Bischofshofen die Tourismusschule schließen. Das kann es ja wohl nicht sein, vor allem wo Bischofshofen doch so ein zentraler Standort ist, mit guten Bahnverbindungen usw.“ Nun ist dieser Standort ein Tourismus-Ausbildungszentrum, auch für Wiedereinsteiger und für Sprachkurse für Migranten. „Es werden alle fachlichen Kurse dort angeboten, vom Sommelier bis zu anderen Spezialausbildungen im Tourismus. Wichtig ist es jetzt halt, dass sich auch unsere Betriebe damit identifizieren und die Schule annehmen, indem sie ihre Mitarbeiter dort hin schicken.“

Enttäuscht von Politik

Ob sich Peter Hettegger nicht wieder in der Politik engagieren will? Immerhin war er von 1994 bis 1999 Bürgermeister seiner Heimatgemeinde und hatte in dieser Funktion eine große Mülldeponie in Großarl zu verhindern gewusst: „Diese Deponie war geplant, damals waren wir touristisch noch nicht so erschlossen,“ meint er und „die haben wir Großarler verhindert. Natürlich auch mit medialer Unterstützung. Es war uns bewusst, dass dies ansonsten massive touristische und wirtschaftliche Folgen für Großarl gehabt hätte.“ Die Deponie war 800 m vor Ortsbeginn von Großarl geplant. „Wir Großarler haben das Projekt gemeinsam vom Betreiber gekauft. Der Zusammenhalt in Großarl hat das Tal dazu gemacht, was es jetzt ist – ein erfolgreicher Tourismusort.“ Doch in die Politik mag er nicht mehr, auch wenn er politisch sehr unzufrieden ist.

„Mittlerweile bin ich 60 Jahre alt. Ich würde mir nur von der Politik Rahmenbedingungen wünschen, die uns ordentlich arbeiten lassen. Derzeit ist das leider nicht so. Wir bekommen immer mehr Auflagen und Vorschriften, Bürokratie, Gesetze, die es immer schwerer machen, einen Betrieb zu führen. Auch fehlt es dadurch unseren Jungen an Motivation, einen Betrieb zu übernehmen.

Der Pongau ist abhängig vom Tourismus und im Grunde trägt er das volle Belastungspaket. Hier hängt auch etwa das ganze Baugewerbe dran, wenn eine Branche belastet wird. Man muss dringend schauen, dass wieder etwas auf die Reihe kommt.“ Die Mehrwertsteuererhöhung für Logis bezeichnet der Großarler Hotelier als einen „völlig sinnlosen Aufwand“. Die Mehrkosten könnten bei dem hart umkämpften Markt im Tourismus den Urlaubern nicht weiterverrechnet werden. Darum habe er auch die geplante Großinvestition wegen der zu erwartenden Belastungen auf Eis gelegt.

Erfolgreich vorausdenken

Auch für Hettegger war der Start als Hotelier nicht leicht und das Risiko immer groß. Ein Schlüssel zum Erfolg war die Werbung auf Messen: „Wir haben nicht auf die Kunden gewartet, sondern sind zu ihnen hinaus gefahren.“ Seit 30 Jahren sind wir bei Tourismusmessen groß beteiligt. Mit dabei haben die Hetteggers schon lange die sogenannte „Stieglalm“, mit der man für die Großarler Gastlichkeit und ihre Produkte wirbt. Pioniere waren die Bewohner des Großarltals auch beim Bau der Bergbahnen, erzählt Hettegger stolz. „Wir haben mit 300 beteiligten Großarlern 1966 mit dem Bau begonnen. Die sind immer noch alle dabei. Das ist unser Lift“.

2016/17 soll in Großarl neues Bergland als Skigebiet erschlossen werden – im Bereich des Schuhflickers.

„Ich sehe es als meine Verpflichtung gegenüber den Mitarbeitern und Familienangehörigen an, dass wir so agieren wie wir es bestmöglich können. Auch wenn uns derzeit vieles hart trifft“, so der Unternehmer.

Maria Riedler

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